Zeit

Wie auch immer

Jahresarbeit von Therese Pohl 

Betreut von Herrn Dr. Böhm

Inhaltsverzeichnis

 

Einleitung    

Der Ursprung der Zeit      

und was die Physiker dazu sagen

· Das Ende der Zeiten

Wie sich die Physik die Zeit vorstellt   

· Die Lichtgeschwindigkeit

· Zeitzerrung

· Die vierte Dimension

Die Relativitätstheorie 

und wie sie auf die Zeit wirkt

· Die Relativität der Gleichzeitigkeit

o I. Spezielle Relativitätstheorie

o II. Allgemeine Relativitätstheorie

Von der Form der Zeit 

Die Ewigkeit  

Zeitgleichungen 

Wie sich die Sicht der Menschen auf die Zeit änderte  

Die Zeit von der Jugend bis zum Alter  

Rhythmen 

· Der Biologische Rhythmus

Gott und die Zeit 

Die Befreiung von Raum und Zeit 

Quellenangaben 

 

»Die Zeit lässt sich nicht vereinfachen und reduzieren. Man kann nicht sagen, sie finde sich nur im Bewusstsein oder nur im Universum, sie habe nur eine Richtung oder alle erdenklichen. Sie sei nur das biologische Fundament oder nur eine historische gesellschaftliche Konvention. Sie sei nur individuell oder nur kollektiv, nur zyklisch, nur linear, relativ, absolut, determiniert, universal, nur lokal, nur unbestimmt, illusorisch, total wahr, unmessbar, messbar, erklärlich oder unmöglich zu beschreiben. Sie ist all das.«

Peter Høeg

Einleitung

Vor etwa eineinhalb Jahren kam die Zeit in mein Leben auf eine Art und Weise, wie ich sie vorher nie wahrgenommen hatte. Plötzlich hatte sich alles verändert, was mit ihr zu tun hatte. Ich erkannte, dass es sich mit ihr nicht so verhielt, wie ich all die Jahre angenommen hatte, ohne meine Zeitanschauung auch nur einmal in Frage gestellt zu haben. Ich hatte zwar schon Bücher über die Zeit gelesen und geglaubt sie zu verstehen, stellte aber fest, dass ich nichts, aber auch gar nichts von der Zeit verstanden hatte, bevor diese Veränderung in mein Leben kam.

Ich stieß auf die Zeit, indem ich anfing über Dejà-vu-Erlebnisse nachzudenken. Irgend etwas musste in solchen Situationen passiert sein, dass man die Zukunft kannte, bevor sie Gegenwart wurde. Man erkannte die Gegenwart wieder in dem Moment, da sie geschah. Das verwirrte mich. Wie konnte man von der Zukunft wissen, wenn die Zeit doch linear verlief, wie ich es immer gelernt und angenommen hatte? Ich kam also zu dem Resultat, dass die Zeit alles andere als statisch ist. Das wir sie nur gerne so hätten, damit wir uns an ihr festhalten können. Verliert man diese Gewissheit, dass die Dinge nacheinander passieren, dass man in einer Linie lebt und alles geradeaus verläuft, wird es schwierig, dabei nicht verrückt zu werden. Es ist ein äußerst unangenehmes Stadium, nichts zu haben, an dem man sich festhalten kann und schwer auszuhalten. Der Mensch hat eine Schwäche: er braucht beständig etwas, an dem er sich festhalten kann, und an dem er seine Vorstellung aufrechterhalten kann. In dem Falle ist es die Zeit, es kann aber auch etwas anderes sein, wie Religion oder Anschauungen. Stellt man jedoch fest, dass die Vorstellung, die man sich machte, falsch war, ist man haltlos und muss etwas Neues finden an dem man sich festhalten kann, entweder eine neue Vorstellung der Zeit oder man versucht, das Erkannte zu ignorieren und nach dem alten Muster weiterzuleben.

Die Zeit bringt Ordnung in unser Leben. Sie ist die Macht, die das Vorher vom Nachher trennt und aufpasst, dass nur soviel gleichzeitig geschieht, wie wir auch aushalten können. Ganz ohne den Bezug zur Zeit würde man verrückt werden. Ich denke, nur Menschen in einem sehr reifen geistigen Stadium könnten es schaffen mit der Zeit zu leben und sie dabei dennoch als etwas Bewegliches, Lebendiges ansehen, ohne völlig den Bezug zur Realität zu verlieren.

Ich wusste sehr bald, dass die Zeit das Thema meiner Jahresarbeit werden würde. Ich wollte mehr darüber erfahren.

Einstein sagte einmal, dass ihn die ganze Grübelei über die Zeit im Grunde nicht näher an das wahre Wesen der Zeit herangebracht habe.

Das ist vielleicht richtig, aber man kann seinen Horizont damit erweitern und versuchen zu verstehen, obwohl man immer mehr Fragen wie Antworten haben wird. Vielleicht kann man aber auch nur sehen, wie wenig wir wissen können, wie wenig bewiesen und Fakt ist. Ich habe mein Bestes versucht, dem Wesen der Zeit ein bisschen näher zu kommen. Von verschiedenen Seiten wie der Wissenschaft, der Philosophie, der Biologie und dem gesunden Menschenverstand, um einen größtmöglichen Horizont zu bekommen.Ob es mir gelungen ist?

An dieser Stelle möchte ich noch einmal Peter Høeg zitieren, der meiner Meinung nach, die Zeit am ehesten verstanden hat (soweit man sie eben verstehen kann).

»In ihrer einfachsten Form ist sie die unbeschreibliche Vereinigung von Wiedererkennen und Überraschung, die sich ergibt, wenn das Bewusstsein die Bewegung der Welt erfasst.«

Der Ursprung der Zeit 

und was die Physiker dazu sagen

»Über Zeit und Raum kann in der Physik erst nach dem Anfang des Universums sinnvoll gesprochen werden. Diese Grundelemente der Wirklichkeit entstanden im Augenblick des Anfangs.«

Heute kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass das Universum vor ca. 15 Milliarden Jahren aus einem Zustand unglaublich hoher Temperatur und Dichte entstanden ist. Der zwingendste Beweis dafür ist, dass das Universum expandiert. Daraus schließt man, dass es ja irgendwann angefangen haben muss zu expandieren und dass es einen Punkt gegeben haben muss aus dem heraus es angefangen hat zu expandieren, einen Nullpunkt, der den Anfang markiert.

Es gibt weitere Beweise, die das Urknallmodell stützen, nämlich dass in unserem Universum vorwiegend leichte Elemente vorhanden sind und zwar ungefähr drei Viertel Wasserstoffatome und ein Viertel Helium, die zu den leichtesten und am einfachsten erzeugten Elementen gehören. Daraus schließt man, dass das Universum zu Beginn heiß und dicht war, sich aber während seiner Expansion schnell abkühlte und die vorhandenen Teilchen die Möglichkeit hatten sich zu Atomen zu verbinden. Dafür mussten genau die richtigen Temperatur- und Druckbedingungen gegeben sein. Damit sich die Helium- und Wasserstoffatome nicht zu schwereren Atomen verbinden konnten, musste sich das Universum sehr schnell abgekühlt haben. So erstellte man also die Theorie, dass das Universum einen Zustand äußerster Hitze durchmachte, anfing sich auszudehnen, dadurch sehr schnell abkühlte und dann eine Phase ständiger Expansion durchmachte. Die Expansion kannso erklärt werden, dass das Universum immer unendlich groß war, aber sich trotzdem weiter ausdehnte. Jetzt stellt sich aber die Frage, wie kann sich etwas ausdehnen, was schon unendlich groß ist und in welchen Raum hinein soll es sich ausdehnen, wenn das Universum doch allen Raum umfasst? Dieses Phänomen wird darauf zurückgeführt, dass der Raum gekrümmt ist. Hätten wir eine sehr schnelle Rakete und würden wir unendlich alt werden können und hätten wir unendlich viel Treibstoff und würden immer geradeaus durch das Universum fliegen, so würden wir nie an einen Rand gelangen. Aber laufen wir auf der Erde immer geradeaus, gelangen wir auch nie an einen Rand, obwohl die Erde nicht unendlich ist. Ist also das Universum unendlich oder nicht, und wenn es endlich ist, was liegt dahinter?

Die große Frage, die die Zeitforscher beschäftigt, ist, wann wohl die Zeit ins Spiel kam und welche Rolle die Zeit im Anfangsgeschehen gespielt hat. Was den Urknall wirklich ausgelöst hat, ist schwer zu sagen, da sich dieser Vorgang nur mit der Quantenmechanik erklären lässt. In der Quantenmechanik fand man aber heraus, dass es in so kleinen Einheiten nicht mehr, so wie wir es kennen, ein Ursache- Wirkung Prinzip gibt. Es lässt sich nicht sagen, was passierte, das irgendetwas auslöste oder ob überhaupt etwas ausgelöst wurde. Wir können nur das Resultat versuchen nachzuvollziehen. Der Urknall passierte aus einer Singularität heraus, und da Singularitäten so klein sind, dass sie als Quanten- ›Ereignis‹ behandelt werden müssen, wird hier Ursache und Wirkung vermischt und verwischt, es kann nicht mehr von einem Vorher und Nachher gesprochen werden. Der Urknall ist einer solcher Fälle, in denen etwas ohne Ursache geschieht.

»Wenn Einsteins Relativitätstheorie richtig ist, und davon dürfen wir ausgehen, dann ist mit dem Urknall nicht nur das Universum, sondern die Zeit selbst entstanden. Um danach fragen zu können, was vor dem Urknall war, muss man aber schon über die Kategorie der Zeit, die das Wort ‹vor› voraussetzt, verfügen. Da die Zeit vor dem Urknall überhaupt nicht existierte, ist die Frage, was war vor dem Urknall, sinnlos.« [1]

»Unabhängig von allen Annahmen über Form oder Größe des Universums sprechen die neuesten Messergebnisse bezüglich der Fluchtgeschwindigkeit entfernter Supernovae eindeutig dafür, dass das Universum weiterhin expandieren und eventuell im Kältetod enden wird. Und diese Vorstellung scheint vielen Leuten entgegenzukommen, weil die Zeit dann wenigstens kein Ende hat. Den Urknall als Beginn der Zeit zu akzeptieren, ist eine Sache, aber mit dem Endknall würde alle Zeit enden. Nicht nur würde nichts und niemand ihn überleben, auch das Wort ›danach‹ hätte keinen Sinn mehr.« [2]

Es gibt aber auch andere Vorstellungen über den Anfang z.B.:

»Es gab früher einmal Spekulationen, dass winzige Schwarze Löcher aus dem Urvakuum entstanden und sich unter dem Einfluss der gegenseitigen Schwerkraft lawinenartig vermehrten. Die Zeit kam als eine Instabilität ins Rollen, öffnete den Raum und riss ihn mit sich zu einer Entwicklung ungeheuren Ausmaßes.« [3]

Die Zeit scheint ein wichtiger Faktor im Anfangsgeschehen gewesen zu sein. 

Der Urknall war also nicht irgendwann oder irgendwo, sondern die Zeit und der Raum sind erst mit ihm entstanden. Seitdem dehnt sich das Universum aus.

»Gut, das Weltall dehnt sich aus. Aber deshalb zu denken, dass es sich 15 Milliarden Jahre lang absolut gleichmäßig ausgedehnt hat, ist eigentlich erschreckend blöd. Es ist schon blöd genug, sich 15 Milliarden Jahre als eine endlos lange Gerade mit zahllosen kleinen Sekundenstrichlein vorzustellen. Aber die Zeit fließt in Mäandern. Und selbst Gedanken haben mehr Kraft, wenn man sie kreisen lässt, statt nur geradeaus zu denken.« [4]

Das Ende der Zeiten

Viele Physiker sprechen der Zeit vom Urknall angefangen einen Zeitpfeil zu, der vom Urknall bis zum Kältetod des Universums oder zum Endknall zeigt, je nachdem, ob das Universum offen oder geschlossen ist, da es etwas im Universum gibt, das immer und stetig zunimmt: die Entropie. [5]

Wenn es aber einen Zeitpfeil gibt, muss er ja irgendwo hinführen. 

Man nahm an, dass es, fallswir uns in einem geschlossenen Universum befinden, einen Endknall geben wird. Nach dieser Theorie dehnt sich das Universum so weit aus, bis es an einen Punkt maximaler Expansion angekommen ist, die Gravitation siegt über den Zustand der Expansion und das Universum legt eine Kontraktionsphase zurück, bis es zu einem Punkt zusammen gekrümmt ist und eine Singularität bildet. »Entsprechend den Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie ist eine Singularität der Ort, wo Materie unendlich dicht und der Raum unendlich gekrümmt ist und wo die Zeit endet.« [6]

Aber solch ein System setzt gleichzeitig eine externe, unserer Zeit übergeordnete Zeit voraus, an der wir unsere Zeit messen könnten. Gibt es solch ein System jedoch nicht, so lässt sich die Kontraktionsphase nicht von der Expansionsphase unterscheiden, also müssten Anfang und Ende genau übereinstimmen und der Endknall würde somit genauso einen Anfang markieren wie der Urknall und das Ende der Zeiten läge in der Mitte, im Moment maximaler Expansion. 

Nach neuesten Erkenntnissen dehnt sich das Universum aber immer schneller aus, umso größer es wird. Es ist also nicht so wie angenommen, dass die Gravitation eines Tages über die Expansion siegen wird, sondern die Expansion beschleunigt sich immer mehr.

Ein anderes Ende der Zeit markieren die Schwarzen Löcher. Schwarze Löcher entstanden aus Sternen, die um ein vielfaches größer waren als unsere Sonne. Diese Sterne machen einen Alterungsprozess durch, ihnen geht der Brennstoff aus, das heißt, die Kernreaktionen in seinem Innern hören auf und seine Masse übt einen enormen Gravitationsdruck auf den Kern aus. Dadurch wird der Kern so heiß, dass durch ihn Stoßwellen nach außen laufen und den Stern explodieren lassen. Aus dem Stern wird eine Supernova. Sie wird förmlich aufgeblasen und leuchtet ein paar Tage hundert Millionen mal heller. Dabei wird oft der größte Teil der Masse in den Raum geschleudert. Der innere Kern jedoch fällt immer mehr in sich zusammen, selbst Atome werden zerquetscht. Der Stern kollabiert immer weiter, bis er schließlich zu einem Schwarzen Loch wird. Die ganze Masse eines Sterns wird sozusagen auf einen Nullpunkt zusammen gepresst und reicht dadurch bis in die Unendlichkeit. Es entsteht eine Singularität im Innern des Schwarzen Loches (siehe Skizze).

Durch die enorme Anziehungskraft, die Singularitäten haben, wird alles, was ihnen zu nahe kommt, angezogen und aufs Minimalste zusammengepresst. 

Dadurch, dass in ihrem Innern die Zeit und der Raum zusammengepresst sind, gibt es im Innern von Schwarzen Löchern keine Zeit mehr, oder zumindest nicht so, wie wir sie kennen. Ein Astronaut, der so lebensmüde wäre, in ein Schwarzes Loch zu springen, würde also von außen gesehen immer langsamer fliegen, bis er schließlich zum Stillstand käme. Auch die Ziffern der Armbanduhr, die er trägt, kämen zum Stillstand. 

Der Astronaut jedoch würde nichts davon merken, sondern hätte das Gefühl, in immer schnellerem Tempo auf das Innere des Schwarzen Loches zuzurasen. Auch könnte er nichts Außergewöhnliches auf seiner Uhr feststellen. (Natürlich ist das ein 

vollkommen konstruiertes Szenario, da ein Astronaut, der auf ein Schwarzes Loch zufliegt, in Bruchteilen von Sekunden zerrissen würde.) Aber daran sieht man wie sich in der Nähe von Schwarzen Löchern die Zeit verzieht.

Abbildung: Ein Schwarzes Loch im zweidimensionalen Raum. [7]

Wie sich die Physik die Zeit vorstellt

»Überhaupt finde ich es faszinierend, dass so viele anerkannte Wissenschaftler und weltbekannte Fachleute über so etwas Fundamentales wie die Zeit immer noch vollkommen konträre Ansichten vertreten.« [8]

Niemand weiß genau, was sie ist und doch fast alle Menschen meinen es genau zu wissen. Es wird nichts so oft erwähnt wie sie. Sie ist das meistgebrauchte Substantiv in der deutschen Sprache. Die Menschen, die sich länger damit beschäftigen, sind von ihr fasziniert, und jeder legt sich seine eigene Theorie zurecht. Jeder kann seine Theorie aufs genaueste begründen und es hört sich auch alles immer sehr logisch an, aber untereinander widersprechen sie sich zum Teil grundlegend. Man meint, die Zeit messen zu können, aber selbst die genauesten Uhren können es nicht ganz genau. 

»Nicht, dass ich kleinlich sein will. Die präzisesten atomaren Zeitmesser, die man bis jetzt konstruiert hat, haben eine tägliche Unsicherheit von weniger als 10-8 Sekunden, in 300 000 Jahren würden sie einen Fehler aufweisen, der nicht größer wäre als eine Sekunde, niemand kann bestreiten, dass das sehr genau ist, alle haben ihr bestes getan.

Doch es ist eben nicht ganz präzise.« [9]

Hier möchte ich erläutern, was die Physik darüber herausgefunden hat, oder zu wissen glaubt.

Die meistverbreitete Vorstellung von Zeit ist, die Zeit als ein fixes, sich stetig, Sekunde um Sekunde fortbewegendes Metrum zu sehen. Aus Sekunden werden Stunden und aus Stunden Tagen und das bis in alle Ewigkeit. Wir unterscheiden nicht zwischen meiner Zeit und deiner Zeit, es gibt nur eine Zeit.

Eine andere Variante ist, sich die Zeit so vorzustellen, wie in diesem Blockmodell des Universums veranschaulicht wird:

Der Raum ist hier um eine Dimension verringert dargestellt. Die Zeit verläuft senkrecht dazu von links nach rechts. Jeder Mensch zieht hier seine ›Weltlinie‹, alles was er als ›jetzt‹ ansieht, zieht sich als Schnitt durch den Block, zu dem alle Raumpunkte gehören, die der Betreffende als gleichzeitig erachtet. Dieser ›Jetzt-Schnitt‹ sieht für den jeweiligen Beobachter anders aus. Alles, was jemals geschehen wird oder geschehen ist, ist im Blockuniversum enthalten und zwischen Vergangenheit und Zukunft gibt es keinen Unterschied. Das heißt aber nicht, dass sich jeder im gleichen Moment befindet, oder sich die Zeit in einer immer gleichen Geschwindigkeit fortbewegt. Alles ist immer und gleichzeitig da, nur wir sind es, die sich mit ihrem Bewusstsein an ihr entlangbewegen.

Newton war der erste Physiker, der in seinen Berechnungen die Zeit integrierte. Für ihn entsprach die Zeit der ersten der oben genannten Zeitvorstellungen. Mit seiner Vorstellung von der Zeit wäre die gesamte Zukunft schon vorbestimmt, da man bei einer völlig gleichmäßig ablaufenden Zeit jedes Teilchen im Universum bestimmen könnte, zu jeder beliebigen Zeit und damit auch seine Bahn in der Zukunft. Man könnte so also herausfinden, wie das Universum in ein paar tausend Jahren aussehen wird. Damit wäre uns auch jede Entscheidungsfreiheit genommen, da wir ebenfalls nur aus Teilchen bestehen und somit den gleichen physikalischen Gesetzten gehorchen müssten.

Wäre Newtons Auffassung richtig gewesen, könnten wir heute wenigstens im Prinzip alle Positionen der Teilchen voraussagen. Ein Glück, dass das nicht im Entferntesten möglich ist.

Die Quantenmechanik widerlegte dieses Prinzip grundlegend.Nach ihr ist das Universum dem Zufall unterworfen. 

Auch die Relativitätstheorie brachte die Vorstellung von der geraden, immer gleichförmigen Zeit ins Wanken und schließlich zum Umstürzen.

»Die seltsame Auswirkung, die die Quantenphysik und die Relativitätstheorie auf unsere traditionellen Ideen von Raum und Zeit haben, erfüllen die Welt mit einer Vagheit und Subjektivität, die ihre tägliche Normalität Lügen straft.«  [10]

Nachdem erst einmal bewiesen wurde, dass die Zeit keine wirklich festgelegte Form hat, wurden die Vorstellungen und Zeitsysteme immer unterschiedlicher. Plötzlich gab es nichts Festes mehr, nach dem man sich zu richten hatte.

Aber man begann auch mehr über die Zeit herauszufinden. 

Wir können die Geschwindigkeit, mit der die Zeit verfließt, nicht im Allgemeinen messen und es gibt auch kein physikalisches Gesetz, das etwas über das Verfließen der Zeit aussagt.

In der Physik gibt es keine Vorstellung vom Verfließen oder einer Veränderung der Zeit. Das heißt aber nicht, dass sie keine Richtung hätte. Die Richtung der Zeit gibt die Entropie an. Richtung bedeutet aber lediglich, dass man zwischen Vorher und Nachher unterscheiden kann, dass es eine Abfolge von Dingen gibt. Physikalische Gesetze sehen aber keine Zeitrichtung vor, also könnte die Zeit rückwärts fließen und die Gesetze blieben trotzdem gleich. Die Zeitrichtung ist deshalb nicht in den Gesetzen vorhanden, weil es viele umkehrbare Prozesse gibt (vor allem subatomare), bei denen keine Zeitrichtung zu erkennen ist. Man kann sie sich rückwärts anschauen und es gibt keinen Unterschied. Auch ändert sich dabei nichts an den physikalischen Gesetzen.

Wird ein Quantensystem, wie zum Beispiel ein Atom, sich selbst überlassen, so ist es zeitlich nicht festgelegt. Die darin stattfindenden Prozesse können sowohl vorwärts als auch rückwärts ablaufen. Erst beim Messen des Atoms wird eine Richtung festgelegt. Teilchen können von einem Ort zum anderen gelangen, ohne dass dabei Zeit verstreicht. Für sie spielt Zeit keine Rolle, sie bewegen sich jenseits von Zeit und Raum und definieren sich erst, wenn wir sie dazu bringen, indem wir Genaues über sie wissen wollen, erst dann entscheiden sie sich. Wie kann es also sein, dass wir, die wir auch nur aus Teilchen bestehen, so festgelegt in der Zeit sind wie wir glauben?

Ein Mensch, der für sehr lange Zeit alleine ist, wird verrückt. Er hat keinen, vor dem er sich definieren muss, er löst sich sozusagen psychisch auf. Hätten wir nicht jemanden, vor dem wir uns definieren bzw. entscheiden müssten, wären wir wohl zeit- und raumlos wie die Teilchen. 

Nachdem sich die Teilchen definiert haben, sind manche davon bleibend beeinflusst, während andere wieder in einen undefinierten Zustand zurückgelangen.

Die Lichtgeschwindigkeit

Die Lichtgeschwindigkeit ist die einzige Konstante, die wir besitzen. Ihre Geschwindigkeit beträgt 300 000 Kilometer in der Sekunde. Nichts kann je diese Grenze der Geschwindigkeit überwinden. Nichts, was sich schneller bewegt, kann je langsamer werden und nichts, was langsamer ist, kann je schneller werden. 

Man fand heraus, dass es Teilchen geben kann (die aber noch nie nachgewiesen wurden und nur theoretisch möglich sind), die sich oberhalb der Grenze der Lichtgeschwindigkeit bewegen. Diese Teilchen nennt man Tachyonen. Sie sollen sehr eigenartige Eigenschaften haben, z.B. läuft für sie die Zeit rückwärts und wenn sie Energie verlieren, werden sie nicht langsamer, wie die uns bekannten Teilchen, sondern ein Tachyon, das seine ganze Energie verloren hat, wäre unendlich schnell.

Für das Licht vergeht keine Zeit. Würde man die Grenze der Lichtgeschwindigkeit überschreiten können, so kehrte sich das Innere der Raumzeit nach außen, der Raum würde zur Zeit und die Zeit zum Raum verdreht. Durch diesen Effekt wäre man in der Lage in die Vergangenheit zu fliegen. Warum können wir also nicht diese Geschwindigkeit erreichen?Bei Teilchen, die so sehr beschleunigt wurden, dass sie fast die Lichtgeschwindigkeit erreichten, stellte man fest, dass sie, umso schneller sie wurden auch umso schwerer wurden. Objekte, die auf Lichtgeschwindigkeit gebracht würden, wären unendlich schwer. Wir werden nie dazu fähig sein, etwas zu bauen, das dazu fähig ist, die Lichtgeschwindigkeit zu ereichen, da ein Objekt, das sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen könnte, unendlich schwer wäre und unendlich komprimiert. Für dieses Objekt würde keine Zeit vergehen. (Wenn wir auch noch so antriebsstarke Motoren besäßen, sie wären nie fähig, ein Objekt unendlichen Gewichtes fortzubewegen. Also würden wir, umso näher wir der Lichtgeschwindigkeit kommen, immer langsamer werden und uns so immer weiter von der Lichtgeschwindigkeit entfernen.) Was das Irritierende daran ist, ist, dass man sich so schnell wie irgend möglich fortbewegen könnte und immer noch würde sich das Licht mit der gleichen Geschwindigkeit wie vorher von uns fortbewegen. Für einen Außenstehenden würde eine Rakete, die man mit äußerst leistungsstarken Motoren auf eine Geschwindigkeit nahe der Lichtgeschwindigkeit gebracht hätte, plattgedrückt wie ein Pfannkuchen erscheinen, und sobald die Rakete langsamer würde, würde sie sich wieder auseinander falten. Die Insassen der Rakete würden von diesem Vorgang allerdings nichts mitbekommen. Für sie wäre die Rakete immer gleich geräumig, ganz gleich mit welcher Geschwindigkeit sie sich bewegen. Man kann die Geschwindigkeit des Lichtes zu keiner anderen dazuaddieren, da uns die Zeit immer mit der gleichen Geschwindigkeit vorauseilt. Für einen Lichtstrahl steht die Zeit still. Bei der Lichtgeschwindigkeit kört die Zeit auf.

Zeitzerrung

Wir können die Zeitzerrung schon bei der Geschwindigkeit von modernen Jets nachweisen, obwohl sie noch so weit von der Lichtgeschwindigkeit entfernt sind. Wirklich spektakuläre Zeitzerrungen treten aber erst bei subatomaren Teilchen auf. In einem Versuch am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) wurde ein Versuch gemacht, in dem Myonen derart beschleunigt wurden, dass sie sehr nahe an die Lichtgeschwindigkeit herankamen. Das ist dadurch möglich, dass sie sehr substanzlos sind. Ihre Zeitskala wurde dadurch zwanzigfach gestreckt. Myonen sind instabil und haben eine feste Halbwertszeit (durchschnittlich zerfallen sie nach zwei Millionenstelsekunden in Elektronen und andere Teilchen) Wenn die Zeitskala gestreckt wird, dauert ihre Halbwertszeit wesentlich länger. Beim Licht findet der selbe Vorgang statt, nur viel extremer, sodass für das Licht also die Zeit stillsteht. Die Zeit wird bei Lichtgeschwindigkeit unendlich gekrümmt.

Eine Zeitzerrung kommt nicht nur im Falle einer Beschleunigung vor, sondern auch in der Nähe großer Gravitationsfelder, wie zum Beispiel der Erde oder Schwarzen Löchern. Sie ist nah an der Erde extremer als weiter davon entfernt. Diesen Effekt kann man schon in der Höhe eines Turmes nachweisen. Die Zerrung ist so minimal, dass sie uns nie auffallen würde. Aber mit Atomuhren ist es möglich sie zu messen. Oben auf dem Turm vergeht die Zeit schneller als auf der Erde, da die Gravitation dort oben geringer ist. Im Weltraum, an einem Ort fern von Galaxien und Sternen, 

wird somit die Zeit noch langsamer ablaufen. Auf der Oberfläche von Neutronensternen ist die Anziehung so stark (ein Teelöffel Neutonen wiegt dort mehr als alle Kontinente der Erde), dass die Zeit nur halb so schnell abläuft als auf der Erde. (Ist das der Grund, warum die Menschen, die wenig Zeit haben, erdennäher scheinen, ihre Verbindung zum Universum nicht so groß ist wie die der Kinder zum Beispiel?) 

Die Vierte Dimension

Michio Kaku beschreibt die Zeit als die Vierte Dimension. Da sie vor der vierten Raumdimension entdeckt wurde, nahm man an, dass anstelle einer vierten Raumdimension eine Dimension die Zeit darstellte. Erst später fand man dann die vierte Raumdimension.

Stephen Hawking beschreibt das Phänomen der vierten Raumdimension, indem er einen See beschreibt, in den man einen Stein wirft. Die Wellen, die vom Stein ausgehen, breiten sich mit der Zeit immer weiter aus. Stellt man sich nun ein Modell vor mit drei Raumdimensionen und einer Zeitdimension, so erhält man einen Kegel, dessen Spitze Ort und Zeitpunkt des Ereignisses bestimmt.

»Entsprechend bildet das von einem Ereignis ausgehende, sich ausbreitende Licht einen dreidimensionalen Kegel in der vierdimensionalen Raumzeit.« [11]

Man kanndie 3 Raumdimensionen, die wir kennen, beliebig untereinander austauschen. Ein Gegenstand hat eine Länge, eine Höhe und eine Breite, drehen wir den Gegenstand, verwandeln wir die Breite in Höhe und die Länge in Breite. Wenn nun die Zeit die vierte Dimension darstellt, können wir die Dimensionen wieder beliebig drehen und aus dem Raum Zeit machen und aus der Zeit Raum. Dieses Umkehren von Raum in Zeit und andersherum geht auch aus Einsteins Relativitätsgleichungen hervor. 

Ich persönlich glaube, die Zeit als die vierte Dimension zu sehen, ist nicht die ganze Wahrheit, da in der Zeit selbst mehrere Dimensionen vorhanden sind. Ich glaube, Zeit hat mindestens drei Dimensionen, lässt sich zwar mit dem Raum vermischen bzw. austauschen, aber sie ist nicht allein die vierte Dimension. Zeit lässt sich einerseits wie ein Bild betrachten, bei dem man sagen kann, dort fängt es an und dort hört es auf, andererseits kann man aber auch aus dieser Zweidimensionalität der Zeit herausbrechen, indem man die Zukunft ahnt, bzw. voraussagt. Aber auch wenn wir schlafen, tagträumen oder ein Dejà-vu- Erlebnishaben.

Wenn wir anfangen werden die Zeit als dreidimensional zu sehen wie eine Landschaft, und nicht wie ein Gemälde der Landschaft, werden wir weit mehr über die Eigenschaften der Zeit verstehen können.

Die Relativitätstheorie

Und wie sie auf die Zeit wirkt

»Relativitätstheorie, die (Physik): (von A. Einstein begründete) Theorie, nach der Raum, Zeit u. Masse vom Bewegungszustand eines Beobachters abhängig u. deshalb relative (2) Größen sind.« Im ›DUDEN‹ wird sie so erklärt, ist aber bei genauerem Hinschauen sehr viel komplizierter.

Albert Einstein fand heraus, dass es sich mit der Zeit nicht so einfach verhält wie man vorerst vermutet hatte. Schon als kleiner Junge hatte er sich mit dem Phänomen der Zeit beschäftigt und seine Theorie veränderte die damalige Vorstellung von der Zeit, Anfang des 20. Jahrhunderts, grundlegend. Davor hatte man angenommen, dass die Zeit eindimensional sei und in einer Geraden verlaufe. Den Rest der Spekulation überließ man den Philosophen. Mit der Relativitätstheorie konnte plötzlich bewiesen werden, dass unsere herkömmliche Vorstellung von der Zeit nicht gerechtfertigt war. Einstein setzte die Zeit mit dem Raum in Verbindung und sagte, dass sie beide voneinander abhängig sind. Er benutzte als erster das Wort ›Raumzeit‹.

Die spezielle Relativitätstheorie konnte erklären, warum die Lichtgeschwindigkeit allen Beobachtern gleich erscheint. Sie stand jedoch im Widerspruch zu Newtons Gravitationstheorie, die besagt, dass sich Objekte mit einer Kraft anziehen, die von der Größe der Entfernung zwischen ihnen abhängt.

Sechs Jahre lang arbeitete Einstein an einer allgemeinen Relativitätstheorie und trat 1915 mit ihr an die Öffentlichkeit.

Die Relativität der Gleichzeitigkeit:

I. Spezielle Relativitätstheorie 

Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich genau in der Mitte (M) von zwei sich gleichzeitig entzündenden Lichtquellen (A und B). Das von dort ausgesandte Licht erreicht Sie also genau im gleichen Moment. Bewegen Sie sich jedoch von ihrem Punkt M in Richtung A, so wird Sie das von A ausgesandte Licht früher erreichen als das Licht von B. Sie werden also den Schluss ziehen, dasEreignis A habe früher stattgefunden als das Ereignis B. 

In einem Versuch (Michelson-Morley Versuch), in dem man die Geschwindigkeitder Erde im Universum bemessen wollte, stellte sich heraus, dass sich das Licht immer in der gleichen Geschwindigkeit von uns fort bewegt, ganz gleich, ob man sich in der gleichen Richtung wie das Licht bewegte, oder in der entgegengesetzten. Zu der Zeit nahm man allerdings an, dass es einen Äther gibt, zu dem sich das Licht relativ bewegt. Auch nahm man an, die Zeit sei eine statisch Konstante. 

Wenn eine Rakete in halber Lichtgeschwindigkeit fliegt und einen Lichtstrahl aussendet, würde man unter normalen Umständen annehmen, das Licht würde sich jetzt nur mit halber Lichtgeschwindigkeit von uns fortbewegen, da wir uns ja schon in einer Hälfte der Geschwindigkeit bewegen. So ist es aber nicht, egal wie schnell wir uns bewegen, hat das Licht immer die gleiche Geschwindigkeit. So kann die Geschwindigkeit auch nicht verlangsamt werden wenn wir uns von der Lichtquelle fortbewegen. Erst durch die Idee Albert Einsteins, dass das Licht konstant sei und sich alles dazu relativ verhalte, wurde klar, dass die Geschwindigkeit nicht, wie zuvor angenommen, konstant ist.

Daraus folgt also: »Ereignisse, welche in Bezug auf einen ruhenden Körper gleichzeitig sind, sind in Bezug auf einen sich bewegenden Körper nicht gleichzeitig und umgekehrt. Das ist die Relativität der Gleichzeitigkeit. Jeder Bezugskörper (Koordinatensystem) hat seine besondere Zeit; eine Zeitangabe hat nur dann einen Sinn, wenn der Bezugskörper angegeben ist, auf den sich die Zeitangabe bezieht.« [12]

II. Allgemeine Relativitätstheorie 

Sie sagt aus, dass sich die Zeit relativ zur Masse verhält, und zwar, dass sie in der Nähe großer Massen zum Beispiel bei Schwarzen Löchern langsamer vergeht als im interstellaren Raum extrem geringer Dichte. Das heißt, Zeit ist abhängig von großen Massen, die sich in der Nähe aufhalten. Dies kann man schon nachweisen, indem man zwei gleichgeschaltete Atomuhren an einem Berg anbringt, eine oben eine unten. Die Atomuhren sind Uhren, die sehr präzise laufen. Nach einer gewissen Zeit macht sich ein Unterschied der zwei Uhren bemerkbar. Es ist zwar nur ein sehr geringer Unterschied, aber er kann nachgewiesen werden. Das heißt, gäbe es Zwillinge, die genau gleich alt sind und einer der beiden startet mit einer Rakete ins Weltall und kommt nach ein paar Jahren zurück, wird er seinen Bruder bzw. seine Schwester älter vorfinden als er selbst geworden ist. Auch die Uhren, die sie vor seiner Abfahrt synchronisiert haben, gehen jetzt anders. Diejenige, des im Weltall Herumreisenden, geht nach. 

Durch Bewegung und Gravitation wird die Uhr verlangsamt. Aber bewegen wir uns nicht die ganze Zeit auf unserem Planeten, bewegt sich die Erde nicht um die Sonne und kreisen wir nicht in einer Galaxie, die irgendwo im Weltall herumfliegt? Wie können wir also sagen, welche Uhr verlangsamt wird und welche nicht, da sich doch alles bewegt.

Daraus folgt im weiteren Sinne, dass es keine fixe Zeit gibt, dass sie sich krümmen, verlangsamen und verkürzen lässt. Das einzig Konstante, was wir mit Sicherheit bestimmen können, ist die Lichtgeschwindigkeit. Alles Andere verhält sich dazu relativ. 

Die Raumzeit ist nicht eben, sondern gekrümmt, durch die in ihr vorhandenen Massen und deren Verteilung und Energie. Körper bewegen sich also nicht in Folge der Gravitation auf gekrümmten Bahnen, sondern sie folgen der besten Annäherung an eine geradlinige Bahn, die in einem gekrümmten Raum möglich ist.

Die Sonne krümmt die Raumzeit derart, dass die Erde, obwohl sie in der vierdimensionalen Raumzeit einem geraden Weg folgt, in unserem dreidimensionalen Raum einen kreisförmigen Weg zurückzulegen scheint.

In späteren Versuchen wurde die Allgemeine Relativitätstheorie immer wieder bestätigt und somit die Anschauung Newtons über Gravitation verworfen.

Von der Form der Zeit

Es gibt viele verschiedene ›Formen‹ der Zeit. Jeder Mensch stellt sie sich etwas anders vor. Die einen sehen sie als Kreis, die nächsten als Spirale, als Quadrat oder Kugel. Aber die verbreitetste Vorstellung ist die einer Linie. Die Linie kommt aus der Vergangenheit und wir befinden uns an ihrer Spitze und bewegen uns an ihr immer weiter in die Zukunft. Das, was geschah, ist nicht zu ändern und wird in alle Ewigkeit so bleiben. Und die Gegenwart entsteht erst damit, dass wir sie leben, die Zukunft existiert somit nicht schon im Voraus. Das Leben jedes Menschen ist in gewisser Weise linear. Wir alle werden geboren und sterben und leben dazwischen ein Leben, dass voll von Ereignissen ist, die einmalig sind, nicht wiederholbar. Die Ereignisse lassen sich in einer Reihe auflisten, das Vorher und Nachher lässt sich definieren, obgleich es immer schwieriger wird, umso näher wir unserer Geburt kommen und somit auch dem Teil unseres Lebens, als es für uns noch keine Zeit gab. Da löst sich die Linie zu einer Ebene auf, bei der es unmöglich ist, ein Vorher und Nachher, ohne äußere Hilfsmittel, zu definieren. Es gibt aber auch im Leben eines jeden Menschen ständige Wiederholungen, sei es nur das Zähneputzen oder die tägliche Arbeit. Man kann die verschiedenen Male nicht von einander unterscheiden. Es sind immer wiederkehrende, gleich bleibende Verrichtungen. Aber auch der Körper macht ständig Zyklen durch. Er stirbt jeden Augenblick ein bisschen und reproduziert sich dann wieder. Aber auch Zyklen wie Atmung und Herzschlag bestimmen unser Leben. 

»Im Leben eines jeden Menschen, auf allen erdenklichen Ebenen, gibt es ununterbrochen sowohl zyklische als auch lineare Züge, sowohl unterschiedslose Wiederholung als auch einzigartige, einmalige Begebenheiten.

Da gibt es einen Widerspruch.« [13]

Also könnte man aus diesen Begebenheiten schließen, dass die Zeit in einer Spirale verlaufen müsse. Eine, die sich von Unten nach Oben hochschraubt. In immer wiederkehrenden Wiederholungen, aber doch fortschreitend. Denn man verweilt nicht ewig auf der gleichen Ebene, sondern entwickelt sich.

Jan Moewes sagt, dass alles Leben in Kreisen ist. Der Kreis ist stabil, ausgeglichen und er hat keinen Anfang und kein Ende, alle seine Punkte sind gleichwertig. Jeder Punkt besitzt einen genau definierten Gegenpunkt. Er ist davon überzeugt, das sich die Zeit in immer fortlaufenden Kreisen bewegt.

Stellt man sich eine Kugel vor, in dessen Innern man sich bewegt, immer an der Innenseite entlang, eines schönen Tages fängt man an und irgendwo, irgendwann hört man wieder auf, die eine Bahn kann sich mit einer anderen aus der Vergangenheit überschneiden, die Kreise können weiter werden oder sich verengen, dann kann man erfahren, was die Menschen meinen, wenn sie sagen, die Zeit ist eine Kugel. 

Kann man dann auch ganz spontan die Richtung wechseln?

Jeder Mensch bewegt sich innerhalb seiner Zeitkugel.

Aber wie wäre es, wenn wir uns in einer Kugel nicht an der Innenseite entlang bewegen würden, sondern die Kugel mit Zeit ausgefüllt wäre und wir ganz beliebig in ihr herumschwimmen würden?

Andere glauben an ein Quadrat (siehe Skizze in: ›Wie sich die Physik die Zeit vorstellt‹), in dem sich die Gegenwart wie ein Messer vorwärts bewegt und so die Vergangenheit von der Zukunft trennt, bei dem aber die Zukunft bereits existiert, bevor wir sie erreicht haben.

Die Frage bei solchen Überlegungen ist jedoch das Zusammenspiel der Menschen untereinander. Wie können wir Menschen unsere Zeit aufeinander abstimmen, wenn wir uns entweder in einzelnen Kugeln, Spiralen oder Quadraten befinden deren Zeit voneinander abgekoppelt ist, wenn jeder Mensch sein eigenes, kleines ›Zeituniversum‹ hat? 

Selbst wenn wir uns alle auf Linien bewegen, ist das nicht so einfach. Wir können nicht sagen, ob wir uns alle mit der gleichen Geschwindigkeit fortbewegen. Wenn ja, wäre es einfacher. Wenn aber nicht, würden alle in irgend einer anderen Zeit verweilen. Wie kommt es dann, dass wir uns sehen können, miteinander sprechen können usw.? Wir bleiben trotzdem an den Raum gebunden, obwohl meine Zeit vielleicht schneller vergeht als die des Menschen neben mir. Oder bewegen wir uns alle, das heißt das ganze Universum, in einer dieser Kugeln, sind wir also nicht allein in unserem kleinen Zeituniversum, sondern sitzen wir alle im gleichen?Jeder kennt wohl das Gefühl, dass sich die Zeit verändert, je nach Tätigkeit kann sie langsam oder schnell verstreichen. Wie kann also das ganze Universum in der gleichen ‹Zeitkugel› stecken?

Peter Høeg sagt dazu: »Die Zeit ist nicht etwas, was unabhängig von einzelnen und von der menschlichen Gemeinschaft fließt. Sie wird auch geformt und aufrechterhalten von der Art, wie die Menschen zusammenleben, und sie hat einen Zusammenhang mit dem Wahrnehmungsapparat.«

»Vielleicht ist es aber auch so, dass die Zeit stillsteht, während wir (unser Bewusstsein) uns an ihr entlang bewegen (wir bewegen uns auf die Zukunft zu, 

anstatt dass die Zukunft uns näher kommt).« [14] Aber auch in diesem Falle würde 

sich mit der Zeit unsere Zeitzugehörigkeit verschieben, sodass manche in ihrem Bewusstsein sich schon weiter fortbewegt haben als andere. Wie kann es dann sein, 

dass wir uns nicht verlieren?

»Wir versuchten jedoch statt dessen, uns fallen zu lassen, das heißt, abzuschalten und den Zug und das Seil zwischen den Händen zu spüren, denn 

dabei entstand ein sehr reicher Augenblick. Die Zeit fing an sich auszudehnen, so dass man nachher nicht hätte sagen können, wie lange es gedauert hatte. In den längsten Augenblicken, die beiden Male, wo ich vom Zug gestreift worden war, hatte es keine Zeit mehr gegeben.

Sogar da spürte man, dass es eine Regel gab. Dass die Zeit nicht etwas sein konnte, das selbst ablief, sondern etwas, das man festhalten musste. Und wenn man sie losließ, dann wurde der Augenblick sehr bedeutungsvoll.« [15]

Quantenfluktuationen: Auf der Ebene kleiner Skalen ist die Raumzeit nicht mehr glatt. Unterschiedlichste Verformungen tauchen auf und verschwinden wieder.

Stellen wir uns die Zeit so vor, werden solche Erlebnisse, wie oben beschrieben, leichter begreiflich. So können wir auch verstehen, warum wir alle ein anderes Zeiterleben haben können und uns aber trotzdem einigermaßen in der gleichen Zeit bewegen können. Das Geniale daran ist, dass diese Skizze aus der Quantenmechanik stammt und genau dasentdeckt wurde. Zwar bei kleinsten Teilchen, aber ist nicht das Große im Kleinen vertreten und das Kleine im Großen?

Die Zeit ist sehr stark an unsere eigene Wahrnehmung gebunden. Dadurch, das wir die mechanische Zeit erfunden haben und dadurch, dass es Rhythmen gibt, können wir uns täuschen, indem wir uns glauben machen, das wäre der Beweis dafür, dass wir alle die gleiche Zeit haben.

Wenn man nicht denkt oder keine Zeit zum Denken hat, vergeht sie auch nicht wirklich. Wenn man fern sieht, vergeht die Zeit, ohne dass man daran teil genommen hätte. Wenn die Zeit für einen nicht vergeht, entwickelt man sich auch nicht weiter. 

»In der gewöhnlichen Zeit, der auf der Uhr, gibt es einige bestimmte Dinge, die man versteht. Wenn man die Zeit loslässt, versteht man einige andere.« [16]

Die Ewigkeit

Allgemein wird die Ewigkeit als eine unendlich lange Zeit betrachtet. Sie stellt sozusagen die Zeit in ihrer größtmöglichen Ausdehnung dar. 

Von Philosophen wird die Ewigkeit als Eintauchen in den Moment beschrieben. Wenn man fähig ist, wie Kinder vollkommen im Moment aufzugehen, gehört einem die Ewigkeit.

»Wenn ich auf dem Weg weg von der Welt war oder in mich selbst oder in den Tod oder ins Aufgeben oder in Ekstase oder in die Stille des Laboratoriums, dann wich die Zeit von mir. Dann näherte sich die Ewigkeit.« [17]

Die Ewigkeit kann man nur dann begreifen lernen, wenn man fähig ist, im Moment vollkommen aufzugehen, wenn man im Augenblick verweilen kann. Und nicht wie Faust unendlich weiterstrebt, indem man die Ewigkeit in der Dauer sucht. Umso intensiver man einen Moment wahr nehmen kann, mit all seinen Sinnen, voller Konzentration, desto reicher wird er auch und desto mehr gräbt er sich auch in unsere Erinnerung und macht unser Leben länger und reichhaltiger.

Ich habe einmal gelesen, dass jemand sagte, er würde keine Sekunde seines Lebens für die ganzen Reichtümer der Welt verkaufen. Das hat mich bleibend beeindruckt. Im ersten Moment dachte ich, wieso eigentlich nicht, was passiert schon in einer Sekunde? Aber wenn man länger darüber nachdenkt, wird, denke ich, jeder zu dem gleichen Schluss kommen, dass man keine einzige der Sekunden im Leben verschenken oder verkaufen kann, da in jeder etwas einzigartiges geschehen könnte und dass in jeder die ganze Ewigkeit liegt. 

Eine Sekunde wegzugeben, und sei es auch nur ein Bruchteil einer Sekunde, würde bedeuten, die ganze Ewigkeit zu verlieren.

Als die Jünger Jesus fragten, was sie tun können, um die Ewigkeit zu erreichen, bzw. ein ewiges Leben zu haben, wies Jesus auf den Moment hin und bedeutete ihnen, was sie mit dem Jetzt machen können.

Dieses Motiv taucht immer wieder, in ganz verschiedenen, frühen wie späten Schriften auf.

In unserer westlichen Gesellschaft ist immer mehr die Tendenz zu erkennen, dass die Menschen sich eine ewige Jugend, überhaupt ein ewiges Leben wünschen, weil sie Angst vor dem Sterben, dem Ende haben. Es werden immer neue lebensverlängernde Maßnahmen ergriffen, dabei wissen viele Menschen nicht einmal, was sie mit der Zeit anfangen sollen, die sie zur Verfügung haben. Die Zeit wird totgeschlagen oder vertrieben (Zeit totschlagen; Zeitvertreib). Diese Entwicklungen verlaufen in entgegengesetzte Richtungen.

Zeitgleichungen

Zeit wird oft mit Veränderung, bzw. Bewegung definiert. Wir können nur Vergangenheit und Zukunft bestimmen, wenn wir eine Veränderung bemerken oder nachweisen können. Würde alles immer gleich bleiben, so könnten wir nicht feststellen, ob in der ZwischenzeitZeit verstrichen ist oder nicht. Würde die Zeit stillstehen, gäbe es keine Bewegung, kein Verfaulen, kein Leben. Der Apfel auf dem Tisch würde nicht einmal verstauben, weil sogar die Staubkörnchen wie eingefroren in der Luft hängen würden. Durch diese Gegebenheit ist diese Definition naheliegend.

Es gibt aber auch eine Definition, die besagt, Zeit sei gleich Temperatur.An Stellen im Universum, an denen es sehr kalt ist, findet keine Veränderung statt, alles steht still. Nur an den Stellen, an denen eine angemessene Temperatur herrscht, kann auch Leben und Bewegung entstehen. Indem wir Kühlschränke bauen, versuchen wir die Zeit zu verlangsamen und mit Eisfächern den Verfall aufzuhalten. Aber was passiert außerhalb dieser erkalteten Zonen, geht da nicht die Zeit weiter? Koppelt sich also die Zeit in kälteren Zonen von der in wärmeren Zonen ab? Oder ist es nur so, dass wir die Zeit da nicht so augenscheinlich erleben können und somit glauben, sie existiere dort nicht? Können nicht auch auf solchen Planeten, die völlig erkaltet sind, Erdverschiebungen stattfinden, die ein Vorher von einem Nachher trennen könnten? Fängt an solchen Stellen auf einmal die Zeit an zu laufen, nur weil sie in die Nähe einer Sonne gekommen sind?

In unserem Organismus ist es jedoch so, dass mit dem Sinken der Temperatur es den Anschein hat, die Zeit würde schneller vergehen und je höher die Temperatur ist desto langsamer würde sie sich fortbewegen. Lassen sich diese verschiedenen Feststellungen miteinander vereinbaren, oder ist es mal wieder so, dass unser Körper den physikalischen Gesetzen nur, wie so oft, einen Streich spielt? 

Im Französischen gibt es nur ein Wort für Zeit und Wetter gleichzeitig (le temps). Hat das damit zu tun, dass früher die Zeit an den Jahreszeiten gemessen wurde oder dass »le temps« und unsere »Temperatur« von dem gleichen lateinischen Wort »tempus« abstammen und die Franzosen auch der Überzeugung sind, dass Zeit gleich Temperatur ist?

Einstein stellte fest, dass die Zeit gleich dem Raum ist und dass diese beiden miteinander austauschbar seien.

Andere sagen, Zeit sei gleich Leben oder gleich der Entstehung von Neuem.

Was von all dem stimmt, lässt sich nicht sagen, aber ich glaube, dass es eine Kombination aus allem ist. Zu diesen Ansichten möchte ich noch die Gleichung: Zeit ist gleich Gott, hinzufügen. (Siehe Näheres Kapitel:«Gott und die Zeit»)

Wie sich die Sicht der Menschen auf die Zeit mit der Zeit änderte

Die ersten Zeugnisse gehen auf die vorsokratische Philosophie zurück (5.Jh.v.Chr.). In der Schule des Parmenides wurde versucht zu zeigen, dass nur das Seiende real, die Vergänglichkeit und der Wandel der Erscheinungen jedoch eine Illusion der Sinne ist. »Die wahre Welt ruht unbeweglich und zeitlos, sie ist ohne Anfang und Ende.«

Heraklit von Ephesos jedoch sagte, dass der Fluss der Dinge wichtiger sei. »Wer in den selben Fluss steigt, dem fließt anderes und wiederum anderes Wasser zu.« »nichts ist, sondern alles wird«. Er sagt auch, dass alles, was aus dem Prozess gerissen oder abstrahiert wird, Illusion ist, dass die Zeit erst durch die Bewegung entsteht.

Für Parmenides war die Welt die Gesamtheit aller Dinge, während Heraklit sie als Inbegriff der Ereignisse dachte. So entstand schon so früh die Frage nach der Realität von Zeit. Auch später tauchte sie immer wieder auf. Die verschiedensten Menschen versuchten sie zu beweisen, bis in der Neuzeit andere Argumente dazu kamen. Der Philosoph J.M. Ellis McTaggart (1866-1925) vertrat die Auffassung, dass die Zeit ein rein anthropomorphes Element im Weltgeschehen sei. Diese Auffassungen werden zumeist von ihren Gegnern widerlegt, indem sie auf die kosmischen Zyklen hinweisen. Schon Platon hatte dieses Phänomen in seinem ›Timaios‹beschrieben, indem er sagte: »Aber ein bewegtes Bild der Ewigkeit beschließt er zu machen und bildet, um zugleich dadurch dem Weltgebäude seine innere Einrichtung zu geben, von der in der Einheit beharrenden Ewigkeit ein nach der Vielheit der Zahl sich fortbewegendes dauerndes Abbild, nämlich eben das, was wir Zeit genannt haben.« Die Unvergänglichkeit und die zyklische Ordnung des Himmels sind ordnendes Maß für die Dinge.

Aristoteles kritisierte jedoch die Gleichsetzung der Zeit mit dem kosmischen Umschwung und wies darauf hin, dass es eine Vielzahl von Himmelsbewegungen gibt, die zudem mit verschiedenen Geschwindigkeiten ablaufen, was der Eindeutigkeit der Zeit widerspricht. Dennoch verteidigte er die Abhängigkeit von Zeit und Bewegung: »Getrennt von den Prozessen der Welt kann Zeit nicht verstanden werden, sie ist der nunmehre Aspekt der Naturvorgänge hinsichtlich ihrer Ordnung nach ›früher‹ und ›später‹«. Er definiert Zeit, indem er sagt: »Das beidseitig von einem Jetztpunkt Begrenzte«. »So ist sie notwendigerweise ein Moment am Prozess«. Er stellt die generelle Existenz der Zeit in Frage und stellt sie in direkte Verbindung mit der Seele, indem er sagt: »Gibt es nun außer der Seele, und zwar dem Verstand der Seele, nichts, was es zu zählen vermöchte, dann ist eine Existenz der Zeit ohne eine Existenz der Seele ausgeschlossen.«Für ihn ist die Zeit ein Kreislauf: »Auch die Zeit selbst wird ja als Kreislauf vorgestellt, was seinerseits seinen Grund darin hat, dass die Zeit das Maß für die Messung solcher Kreisläufe, solche Kreisläufe aber wiederum das Maß für die Messung der Zeit darstellt.« Er kritisierte auch Platons Schöpfungsidee, mit der die Welt eine zeitlich asymmetrische Existenzweise erhalte, sie wäre zwar entstanden, hätte dann aber ewigen Bestand. Nach Aristoteles hat das Universum keinen Anfang und kein Ende in der Zeit.In diesem Punkt stimmten auch die Atomisten zu, z.B. Lukrez: »Kein Ding kann aus dem Nichts entstehen oder ins Nichts verschwinden, schon gar kein Universum und auch nicht mit göttlicher Hilfe.« Damit ist das ›genetische Prinzip‹ formuliert, das den Gesetzeszusammenhang aller Ereignisse der Welt ausdrückt und die Grundlage aller kausalen Erklärungen darstellt.

In christlicher Tradition ging Augustinus von dem göttlichen Schöpfungsakt hervorgebrachten Anfang der Welt aus, betonte jedoch, dass Gott die Welt nicht in sondern mit der Zeit erschaffen hat. Er definiert Zeit so: »So dass wir also von Zeit nur sprechen könnten, wenn etwas strebt nicht mehr zu sein.«

Thomas von Aquino unterschied die ›creatio orginans‹, die auf einen Anfangspunkt der Welt in der endlichen Vergangenheit hinweist, von der ›creatio continuans‹, die Gottes permanente Tätigkeit in der Welt ausdrückt und die nach Thomas von Aquino, selbst dann vonnöten wäre, wenn sich das Universum als unendlich erweisen sollte.

Mit Einsteins Relativitätstheorie kam eine neue Richtung hinzu. Die Zeit wird nicht mehr als absolut gesehen, sondern abhängig von der Materie wie auch von der Bewegung. Sie ändert ihr Maß relativ zur Bewegung des Zeitzählenden, ändert ihr Maß relativ zu der in der Nähe oder Ferne befindlichen Materie und wird durch Gravitation und Anziehungskraft beeinflusst. Einsteins Zeit ist nicht mehr völlig ohne Eigenschaften, sondern hängt sowohl von der Materie als auch von der Bewegung ab. Nur diese zwei Eigenschaften aber wollte Einstein der Zeit zugestehen.

Zur gleichen Zeit jedoch sahen sich Clausius und Planck gezwungen, der Zeit eine weitere Eigenschaft beizumessen: ihre eindeutige Richtung von der Vergangenheit in die Zukunft hinein. Sie merkten, dass sich Prozesse in zwei große Klassen einteilen ließen: Erstens Bewegungsabläufe, deren Rückwärtsablauf ebenfalls in der Welt zu finden ist. Zweitens Prozesse, die nicht umkehrbar sind, zum Beispiel das Mischen einer Substanz in Wasser. Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt, dass sich die Welt voneinem Zustand höherer Ordnung zu einem Zustand niederer Ordnung bewegt, das heißt, die Entropie nimmt permanent zu.

Die Thermodynamik bezeichnet somit eine weitere Eigenschaft der Zeit: Zukunft wird durch das stete chaotischer Werden des Universums von der Vergangenheit unterschieden (Entropie).

Kant beschrieb die Zeit in seiner Kritik der reinen Vernunft als eine notwendige Vorstellung, die allen Anschauungen zu Grunde liegt. Er sagt aber auch, dass sie nur eine Dimension haben kann: »Verschiedene Zeiten sind nicht zugleich, sondern nacheinander (so wie verschiedene Räume nicht nacheinander, sondern zugleich sind).« Für ihn ist die Zeit eine reine Form der sinnlichen Anschauung. Verschiedene Zeiten sind nur Teile eben derselben Zeit. Auch Goethe drückt das aus, indem er sagt: »Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist ja der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit.«

Für Novalis dagegen ist die Zeit nicht eine Sache der Anschauung, sondern hat eine ganz direkte Realität: »Die Zeit kann nie aufhören - Wegdenken können wir die Zeit nicht - denn die Zeit ist ja Bedingung des denkenden Wesens - die Zeit hört nur mit dem Denken auf. Denken außer der Zeit ist ein Unding.« [18]

Trotz der vielen verschiedenen Ideen, die mit der Zeit aufkamen, sind es noch heute die gleichen Fragen, die wir uns stellen.Aber man konnte die Richtigkeit der Relativitätstheorie beweisen, was viel von der damaligen Vorstellung von Zeit veränderte. Vorher spekulierte mannoch mehr ohne einen wirklichen physikalischen Hintergrund, da blieb es mehr den Philosophen oder Heiligen überlassen sich mit der Zeit zu beschäftigen. Heute sind es eher die Physiker, die mit neuen Erkenntnissen die Zeitvorstellung beeinflussen. [19]

Die Zeit von der Jugend bis zum Alter

Wird ein Kind geboren, so ist es noch vollkommen mit der Unendlichkeit verbunden. Es weiß nicht, was Vorher und Nachher bedeutet und nicht, was Dauer ist. Geht die Mutter fort, ist dies jedes Mal ein endgültiger Abschied, für alle Ewigkeit. Kommt die Mutter zurück, wird sie für immer bleiben. Ein so kleines Kind kann sich nicht erinnern, was vorher war und sich nicht vorstellen, was kommen wird.

Erst wenn das Kind lernt, sich selbst zu erkennen, erst wenn es lernt ‹ich› zu sagen und seine Leiblichkeit ergreift, lernt es auch was Zeit, Dauer, Zukunft und Vergangenheit ist, alles zwar noch sehr begrenzt, aber es versteht den Unterschied zwischen ‹noch einmal ausschlafen› und ‹heute›, von davor und danach. Erst dann fängt es an, sich zu wünschen, auch erwachsen zu sein, und erst dann wird es begreifen lernen, dass die Mutter nach einer bestimmten Zeit zurück kommen wird. Es fängt an, sich die Dinge aus seiner Vergangenheit zurückzurufen und sie nachzuspielen. Das passiert ca. im dritten Lebensjahr. Bis zu dieser Zeit können wir uns auch später zurückerinnern, sich an die Zeit davor zu erinnernist nur wenigen Menschen möglich.

Umso älter das Kind wird, umso mehr Bezug bekommt es zu der Zeit. Für das Kind verläuft sie erst mal sehr langsam. Es dauert ewig bis es endlich wieder Weihnachten wird. Das Kind lebt aber noch weitgehend auf die Gegenwart fixiert. Zukunft und Vergangenheit scheinen nicht so wichtig zu sein. Dadurch ist es dem Kind auch möglich, die Zeit, die es hat, voll auszukosten, es sorgt sich erst mal noch nicht, zu wenig Zeit für irgend etwas zu haben. Es ist ihm auch leichter möglich zu träumen und zu staunen, weil es ganz in diesem einen Moment aufgehen kann.

Ein dreijähriges Kind erzählte mir vor kurzem von einem Erlebnis und warf immer wieder ein «morgen» dazwischen um mir zu erläutern, wann es stattgefunden hatte. Als die Mutter dazwischen kam, erklärte sie mir, das sie damit ›gestern‹ meinte. Daran sieht man, wie abstrakt für Kinder der Zeitbegriff ist und wie wenig sie damit anfangen können. Genau so wie sie rechts mit links verwechseln, verwechseln sie Zukunft mit Vergangenheit.

Mit der Zeit wird die Zukunft aber immer wichtiger für das Kind, entweder sorgt es sich darüber und möchte nicht erwachsen werden oder es strebt geradezu danach, endlich erwachsen zu sein und Feuerwehrmann zu werden, so zu sein, wie all die Großen. All sein Arbeiten, ob in der Schule oder sonst im Leben, strebt danach, sich auf die Zukunft vorzubereiten. Langsam fängt es auch an Pläne zu schmieden, will am besten alle Berufe auf einmal ausüben, ohne daran zu denken, dass es dazu zu wenig Zeit geben könnte. Mit den Jahren fängt die Zeit an immer schneller zu vergehen. Weihnachten kommt immer schneller wieder und man wundert sich, dass es früher immer so lange gedauert hat. Einem wird immer öfter mit Schrecken oder mit Freude bewusst, dass schon wieder ein ganzes Jahr vergangen ist. Während es verging, schien sehr viel passiert zu sein und manche Zeiten schienen sich ewig in die Länge zu strecken, aber wenn man dann zurückschaut, kommt es einem so vor, als ob es im Fluge vergangen wäre. Immer mehr fangen wir an zu begreifen, dass das Leben eben doch nicht unendlich ist und dass es irgendwann auch zu Ende gehen wird. Gerade in der Pubertät denkt man immer häufiger an den Tod, bekommt vielleicht auch Angst davor, dass alles einmal zu Ende gehen könnte. Der Blick ist sehr vorausgerichtet und wird auch danach immer mehr der Zukunft zugewandt. Plötzlich hat man das Verlangen seine Zeit voll auszukosten, man will alles und jetzt. Jede Minute, die man zur Verfügung hat, wird ausgenutzt. Oder aber man weiß nicht, was man mit seiner Zeit anfangen soll, man fängt an die Zeit ›totzuschlagen‹.

Umso älter man jedoch wird, umso öfter schaut man auch zurück. Mit einem gewissen Abstand fängt man an, die Dinge ganz anders zu sehen, man lernt aus der Vergangenheit, schöpft aus den Erfahrungen, die man gemacht hat. Man befindet sich an der Stelle, an die man sich als Kind immer hingeträumt hat. Und plötzlich wird einem bewusst, das die ›Großen‹, die man damals so bewundert hat, gar nicht so groß sind, dass die Zeit endlich ist und dass man viel zu wenig Zeit hat, all die Wünsche zu verwirklichen, die man schon immer gehabt hat. Man fängt an zu hetzen, alles schnell machen zu wollen. Immer öfter ist der Satz zu hören »Tut mir leid, ich habe keine Zeit.« Man ist ausgebucht, will die ganze Zeit nutzen, die man zur Verfügung hat. Die Zeit scheint einem davonzurennen, die Jahre sich zu jagen. Plötzlich sind sogar die eigenen Kinder schon groß. Hermann Hesse drückt es so aus: »Und weiß nicht, wo die Zeit geblieben, die träumend mir im Sinne liegt«. Plötzlich ist man einer, von denen man früher glaubte, sie seien uralt. Mit dem Alter wird die Beziehung zu der Zeit immer individueller, je nach Biographie der Person. Manche fangen mit 45 noch einmal einen neuen Lebensabschnitt an, richten sich sozusagen auf eine andere Zukunft ein. Für andere kommt das Ende immer näher, während sie nur noch auf ihre Rente warten. Bei vielen macht sich eine Zerrissenheit zwischen Zukunft und Vergangenheit bemerkbar, die die Geistesgegenwart, zu der man in diesem Alter eigentlich fähig wäre, unmöglich macht.

Erst wenn die Gebrechlichkeit immer mehr in den Vordergrund rückt, richtet sich der Blick immer mehr zurück. Die Vergangenheit scheint wieder ganz nah und man fängt an sich an Dinge zu erinnern, die man schon längst vergessen zu haben geglaubt hatte. Das ganze Denken richtet sich immer mehr auf die Vergangenheit. Sie ist das, wofür oder wovon man lebt. Sie überflutet einen regelrecht mit Bildern. Plötzlich werden einem auch Zusammenhänge bewusst, Erfahrungen gewinnen an Wert. Die Erinnerung geht immer weiter zurück, umso älter man wird. Menschen, die sich kurz vor dem Tod befinden, berichten von immer früheren Erfahrungen, wie als ob sie in ihrer Erinnerung ihr Leben rückwärts gehen würden. Wenn sie sterben, sind sie wieder beim Anfang angekommen und somit schließt sich der Kreis.

Man könnte also das Leben in vier Stufen der Zeiteinstellungen einteilen, wobei man natürlich immer die ganz individuelle Entwicklung berücksichtigen muss, die bei vielen wohl nicht in dieses Schema passt:

1. Kindheit – Gegenwart

2. Jugend – Zukunft

3. Erwachsen sein – Individuelle Zeiteinstellung

4. Alter – Vergangenheit 

Die Wahrnehmung der Zeit bei verschieden Altersgruppen testete man, und erhielt dabei folgendes Resultat:

Es ist enorm, wie unterschiedlich die Zeit eingeschätzt wird.Man kann dies auf die Körpertemperatur zurückführen: 

Je kühler, desto schneller: Die Körpertemperatur bestimmt Wachheitsempfinden und das Gefühl für Zeit gleichermaßen. Vormittage vergehen darum rascher als Nachmittage und Abende. Für Fiebernde und mit höherer Durchschnittstemperatur ausgestattete Kinder schleichen die Stunden, und den Alten enteilen die Jahre.

Die Zeit wirkt auf junge Menschen ordnend, auf alte chaotisierend. Die Alten kehren wieder zur Unordnung zurück, sind aber dadurch alt, da sie durch den Prozess des Ordnens, des Zeitlichen hindurch gegangen sind. Die Unordnung wird immer stärker, bis sich das Physische langsam auflöst. Während das Leben des Kindes nur durch die Ordnung, die die Zeit in sein Leben bringt, möglich ist.

Rhythmen

Was haben Rhythmen mit der Zeit zu tun? Vielleicht sind sie die Zeit, die uns durch die Natur gegeben wird. Die Zeit, die sich von der maschinellen Zeit ganz gravierend unterscheidet, da sie eben nicht ganz regelmäßig ist, da sie Abweichungen hat und wir unsere maschinellen Uhren nie so abstimmen können, dass sie in Einklang mit den natürlichen Rhythmen stehen. Die Rhythmen übermitteln uns den ganzen Kosmos in seinem Zusammenspiel, aber das ist so komplex, dass wir das meiste nur unterbewusst wahrnehmen können oder uns anhand von Traditionen nach ihnen richten, weil die Menschen früher viel eher dazu fähig waren solche Zusammenhänge wahrzunehmen. Im Beginn der Menschheit lebten die Menschen sehr stark nach Rhythmen. Sie waren durch den Stand der Sonne und die Jahreszeiten bestimmt. Heute koppeln wir uns immer mehr von solchen Rhythmen ab. Wir machen Nachtschichten und schlafen bis spät in den Nachmittag. Die Vor- und Nachteile einer solche Entwicklung sollen im folgenden Kapitel besprochen werden.

»Der Gang des Frühlingspunktes durch den Tierkreis in etwa 25 920 Jahren ist eine mit dem Menschen verbundene kosmische Zahl, die in kleineren Rhythmen enthalten ist: Eine menschliche Kulturperiode von 2160 Jahren ist genau ein ›Monat‹ dieses ›Weltenjahres‹, ein Menschenleben von 72 Jahren entspricht einem ›Weltentag‹, drei Jahre bilden eine ›Weltenstunde‹, und an einem Tag macht der Mensch etwa 25 920 Atemzüge«. An dieser Aussage von Rudolf Steiner sieht man schon, wie sehr wir von Rhythmen beeinflusst werden, von denen wir nicht das geringste verstehen können, die aber trotzdem so wichtig sind, dass sie sogar den Rhythmus unseres Atems beeinflussen. Wie viele Rhythmen wird es noch geben, von denen wir nicht einmal ahnen, dass es sie gibt? Wir sind von unserer Vergangenheit her genau so beeinflusst von Rhythmen wie durch unser Körperliches, wie durch den Kosmos. Es ist ein unendliches Zusammenspiel vieler verschiedener Rhythmen. 

Wir bemerken die Auflösung der Rhythmen am deutlichsten beim Schlafrhythmus, beim Essrhythmus oder Arbeitsrhythmus, aber auch beim Zyklus der Frau. Der Schlaf- und Arbeitsrhythmus wurde schon bei der Industriellen Revolution anfänglich aufgelöst, bei der erstmals ermöglicht wurde, mitten in der Nacht einen Raum so zu erhellen, als ob es Tag wäre. Heute verstärkt sich das dadurch, dass wir den Sonntag immer mehr abschaffen, das heißt, das auch am Wochenende immer mehr gearbeitet wird, dadurch, dass wir in Schichten arbeiten und so weiter. Der Zyklus der Frau, der früher mit dem des Mondes vollkommen im Einklang gewesen war, ist heute bei jeder Frau zu unterschiedlichem Zeitpunkt, immer unregelmäßiger und wird auch immer mehr durch die Pille beeinflusst und regiert.Wir ersetzen somit unsere gegebenen Rhythmen durch künstliche, ohne die Weisheit zu haben sie richtig anzuwenden. Wir gewinnen dadurch immer mehr Freiheit, aber zerstören dadurch auch wichtige Systeme in unserem Körper.

»Zunehmend bemerken wir die Tatsache, dass wir unsere Zeit unrhythmisch verbringen, dass wir wie die von unserer Organisation verlangte zeitliche Gliederung missachten, dass wir in Zeitnot geraten und anderes mehr. Indem wir uns so verhalten, als ob wir in einer maschinell definierten Zeit beliebig mit uns und unserer Umgebung schalten könnten, schaffen wir Krankheitskeime, die man im doppelten Sine als ›Zeitkrankheit‹ bezeichnen kann.« [20]

Der Biologische Rhythmus

Wenn der Biologische Rhythmus missachtet wird, kann das oftmals gravierende Folgen haben. Menschen schlafen am Arbeitsplatz ein und dadurch entstehen Katastrophen. Das Unglück in Tschernobyl wurde dadurch verursacht, dass die Mannschaft übermüdet war und ein kompliziertes Experiment steuern musste. Und das ist nicht das einzige. Weltweit wurde durch Schlafen am Arbeitsplatz 400 Milliarden Doller Schaden verursacht, Müdigkeit verursacht ein Drittel aller Karambolagen.

In einem Versuch, der am Max-Planck-Institut für Verhaltenspsychologie durchgeführt wurde, isolierten sichfreiwillig Menschen für mehrere Wochen in einem Bunker, in den die Sonne nicht schien und auch keine sonstigen äußeren Einflüsse gelangten. Dort wurde festgestellt, dass der Mensch einen inneren Rhythmus hat, der nicht durch das Tageslicht beeinflusst ist. Die Tage verlängerten sich jedoch um eine Stunde. So dauerte also eine Wach-Schlafperiode 25 Stunden, jedoch ohne Mittagsnickerchen, während es auch andere Kandidaten gab, deren Tage bis zu 50 Stunden dauerten, und die in Folge dessen 16 Stunden durchschliefen.

Als man das gleiche Experiment durchführte, in dem es den Kandidaten erlaubt war einen Mittagsschlaf zu halten, gab es einen durchschnittlichen Rhythmus von 24 Stunden. Diese waren in zwei Zwölf-Stunden-Perioden aufgeteilt, die durch ein Schläfchen unterbrochen waren. Als man den Versuch jedoch durchführte, indem die Kandidaten die ganze Zeit im Bett lagen, stellte sich bei ihnen ein Rhythmus ein, bei dem sie alle vier Stunden einschliefen. Ein Rhythmus wie bei Babys und Tieren. Die Einnickzeiten fallen genau mit denen der Tagestiefen zusammen. (Mittags um zwei, abends um sechs und morgens um zehn). Neben diesen zwei Rhythmen gibt es noch einen dritten. Den 90-Minuten-Zyklus: so lange hält man es am Schreibtisch maximal aus ohne aufzustehen und so lange dauert es bis alle Schlafphasen eines Zyklus durchlaufen sind.

Für fast jede Körperfunktion gibt es einen eigenen Rhythmus. »Frühmorgens etwa aktivieren Neurotransmitter wie Adrenalin und Hormone wie Cortisol den Körper für den Wachzustand. Die Höhe manches Enzymspiegels schwankt im Laufe des Tages. Frauen nüchtern nachmittags um drei am schnellsten aus, Männer morgens um sieben. Auch Organe wie Nieren, aber auch das gesamte Immunsystem unterliegen einem deutlichen Tagesrhythmus. Fieber setzt bei bakteriellen Infektionen meist vormittags, bei Viruserkrankungen dagegen am frühen Abend ein. Herzinfarkte häufen sich morgens, wenn der Blutdruck sich wie üblich erhöht, Schlaganfälle strecken ihre Opfer vornehmlich im Dunkeln nieder. Unsere Sensibilität fluktuiert ebenfalls: Unter Zahnschmerzen leiden wir frühmorgens viermal so stark wie am Nachmittag. Andere Zyklen wie Monatsblutung der Frauen oder unsere jährliche Leistungskurve schwanken, auch ohne dass wir uns solcher Änderungen bewusst werden.« [21] Auch der Tod tritt im ersten Morgengrauen und nach Mittag häufiger ein als sonst.

Es sind aber nicht nur unsere Organe, die unser Zeitempfinden beeinflussen, sondern auch unsere Temperatur, diese schwankt im Laufe des Tages bis zu einem halben Grad. Dadurch wird auch unser Schlafrhythmus reguliert. Umso höher die Temperatur umso leistungsfähiger, umso niedriger, desto müder (siehe Graphik Seite 30.) 

Das Licht, das auf unsere Netzhaut gelangt, wird weitergeleitet und gelangt zum Gehirn, wo die Information als Wach-Signal weitergegeben wird. Dadurch wird unsere innere Uhr reguliert. Haben wir aber zu viel Schlafverlust, oder ist es die normale Schlafenszeit, so wird immer das Schlafbedürfnis die Oberhand gewinnen 

Richtet man sich jedoch nach seiner inneren Uhr, so treten seltener Depressionen und Schlafstörungen auf. Auch kann bei genügend Schlaf mehr Leistung gebracht werden.

Es wurde festgestellt, dass die Zeit subjektiv schneller am Tage als in der Nacht zu verrinnen scheint. Durchwachte Nächte scheinen ja bisweilen ewig lang zu sein.

Auch ist der Körper im wachen Zustand innen wärmer als die Haut und im schlafenden Zustand wärmt sich die Haut mehr auf während der Körper innen abkühlt. Das lässt darauf schließen, das wir uns im wachen zustand mehr mit unserem Körper verbinden, während wir uns im schlafenden Zustand eher in der Peripherie aufhalten.

Gott und die Zeit

An die Zeit kann man glauben wie man an Gott glauben kann oder nicht, es gibt nichts, was beweist, dass sie existiert, nichts, was sie genau definiert, nichts, an dem man sie festnageln könnte. Früher war es ziemlich selbstverständlich, an Gott zu glauben, so wie es heute selbstverständlich ist, an die Zeit zu glauben, aber vielleicht wird es eine Zeit geben, in der es nicht mehr selbstverständlich ist. Als die Menschen immer mehr aufhörten, eine Religion als Halt zu haben, hat sich sehr viel verändert, die Menschen wurden ‹ungehaltener›. Wenn wir eines Tages aufhören werden an die Zeit zu glauben, werden wir kaum etwas haben, an dem wir uns festhalten können. Die Menschen nehmen die Zeit für vollkommen real, damit sie etwas zum festhalten haben. Diese Einstellung hat sich auch noch dadurch verstärkt, dass wir den direkten Zugang zu Gott verloren haben. Wir nehmen die Zeit als einen konstanten Fakt und nur wir sind es, die sie subjektiv sehen, es ist nicht die Zeit die subjektiv ist, sondern wir. Wir vertrauen nicht unserem Gefühl, wir glauben nicht, dass das, was wir fühlen, auch Realität sein könnte. Wir hetzen uns ab und sagen, wir hätten keine Zeit und müssten uns beeilen, wir halten uns Zeit frei und verbuchen unsere Zeit. Wir teilen sie in hundertstel Sekunden, teilen sie wie einen Kuchen auf. Würden wir so etwas mit Gott tun???? Nein. Wir würden sagen , dass man das nicht so festlegen kann, jeder es anders sieht, dass keiner weiß, nach welchen Maß man Gott messen sollte. Wie können wir uns anmaßen, so mit der Zeit zu verfahren? Wie können wir uns so unter Druck setzen, da doch die Zeit gerade dann anfängt zu rennen, wenn man sie als ‹rennende Zeit› sieht, dass sie genau das macht, was wir von ihr denken, was wir fühlen. Wir lassen uns von der Zeit regieren, bzw. regieren sie, anstatt sie so zu lassen wie sie ist. Die Zeit ist der ordnende Faktor in unserem Universum. Ohne sie würde das totale Chaos oder die totale Freiheit ausbrechen. Ich will nicht sagen, dass Gott gleich Zeit ist, sondern, dass beide der heutigen Gesellschaft auf die gleiche Weise dienen. Aber auch, dass es vergleichbare Parallelen gibt und dass man die Zeit vielleicht besser verstehen kann, wenn man sie als eine Art Glauben betrachtet. 

Die Befreiung von Raum und Zeit

Eigentlich weiß man über Raum genau so wenig wie über die Zeit. Einstein fand heraus, dass diese beiden sehr stark aneinander gekoppelt sind und dass sich Raum in Zeit und andersherum verwandeln kann.

Das würde doch bedeuten, dass, wenn man sich von der Zeit befreit, sich auch so vom Raum befreien könnte. Die Befreiung von Raum und Zeit verstehe ich so, wie man sich zum Beispiel in Träumen oder in Gedanken, unabhängig von Zeit und Raum bewegen kann. Dafür müsste man allerdings auf eine sehr hohe geistige Ebene gelangen (auch um nicht zu versuchen, Vergangenes zu verändern und somit die Weltenordnung durcheinander zu bringen). 

Wir wissen, dass durch verschiedene äußere Einflüsse der Raum sowie die Zeit gekrümmt werden können, in alle beliebigen Richtungen. Der Raum soll sogar einrollbar sein. Einstein sagt, die Zeit ist abhängig von Gravitation und Geschwindigkeit. Wir befinden uns auf einem Planeten, der sich um sich selbst dreht, der sich um die Sonne dreht, die sich mit der Galaxie dreht, die sich irgendwo im Raum bewegt. Wer kann da festlegen, was Geschwindigkeit ist und vor allem mit welcher Geschwindigkeit wir uns bewegen? Warum sollte es nicht möglich sein, den Raum durch Gedanken zu krümmen? So wenig wie wir wirklich wissen, kann das meiner Meinung nach möglich sein.

Warum sehen wir in unserer Science-Fiction immer nur den technischen Erfolg der Zukunft, und wie man dies und das mit der und der Maschine erreichen kann? Warum streben wir nicht eher an, uns von diesen ›Konstanten‹ von Raum und Zeit zu befreien und dann alle Möglichkeiten offen zu haben? Georg Kniebe drückt das so aus: »Science Fiktion lebt ein Bedürfnis aus, aus der Zeit auszubrechen, sie zu überspringen, ohne eine wirkliche Entwicklung denken zu müssen.«

Aber das würde eine sehr lange Entwicklung bedeuten, die sehr viel Verantwortung mit sich bringt, sonst wäre man danach dem totalen Chaos ausgesetzt. Die Vorstellung allein, dass sich alle Menschen von der Vorstellung der konstanten Zeit lösen könnten, erschreckt, da es ein unabsehbares Chaos geben würde. Menschen aus der Vergangenheit, die wieder erscheinen, Menschen, die auf einmal verschwinden. All das könnte möglich sein. Wir würden vollkommen darin verloren gehen, hätten keine Orientierung. 

Wir werden noch lange nicht dazu in der Lage sein. Aber könnte es nicht sein, dass wir dadurch die totale Freiheit gewinnen könnten? Ist das die Erlösung?

Auch Adalbert Stifter kam zu dem gleichen Ergebnis in seinen Überlegungen und drückte es so aus:

»Wie wäre es, wenn vielleicht die Zeit und der Raum gar nichts Wirkliches wären? Wenn sie nur die Einrahmungen wären, in denen unsere Vorstellung haften müssen, das Gesetz für unsere Vorstellungen, dem wir nicht zu entrinnen vermögen? Dann wäre Gott und es wären vielleicht auch andere Geister in der Zeitlosigkeit oder eigentlichen Ewigkeit. Dann ist keine Zukunft, also auch kein Wissen in der Zukunft, sondern ein Wissen überhaupt, und der Zwiespalt zwischen der Voraussicht Gottes und der Freiheit unserer Handlungen ist nicht da. Dann erklärt sich auch unser Unvermögen, den unendlichen Raum zu fassen, weil wir da über den Kreis unserer Vorstellung hinaus gegangen sind, und uns der Rahmen unserer Vorstellung verlässt.« [22]

Ich glaube, dass die Zeit 3- vielleicht auch 4-dimensional ist. Die Zeit ist meiner Meinung nach zugleich. Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit existieren alle gleichzeitig. Ich glaube auch, dass wir uns, wie Jim Al Khalili sagte, mit unserem Bewusstsein an ihr entlang bewegen und dass die Zeit nicht verfließt. Ich glaube, dass sich die Zeit an der ‹Oberfläche› gerade verhält. Die Oberfläche ist der Teil der Zeit, den wir mit unserer Uhr messen können. Wir können aber auch wie abtauchen in tiefere Schichten. Das Abtauchen praktizieren wir jedes Mal, wenn wir einschlafen. Wir lösen uns aus der Zeit, die wir kennen, heraus. Im Schlaf können wir in die Vergangenheit sowie in die Zukunft ohne Probleme gelangen. Im Traum spüren wir alles intensiver, weil alles in einem einzigen, winzigen Moment geschieht. Traumforscher haben festgestellt, dass die Träume, die für uns sehr lange andauern, die ganz lange und komplizierte Geschichten enthalten, in unserem Gehirn nur über hundertstel von Sekunden nachgeprüft werden können. An der Oberfläche der Zeit vergehen unsere Träume in kleinsten Zeiteinheiten und sind doch so intensiv, dass wir schweißgebadet davon aufwachen können. Dabei muss man aber Schlaf und Traum grundlegend unterscheiden. Im traumlosen Schlaf handelt es sich um ein Eintauchen in die erweiterten Dimensionen der Zeit. Hier lösen wir uns in der Unendlichkeit auf, sind sozusagen überall und immer. Der Traum währenddessen ist ein Übergangsprodukt, vielleicht ein Hirngespinst, dass unser Unterbewusstsein produziert, dass zwar noch nicht mit unserer oberflächlichen Zeit verglichen werden kann, wo aber schon so viel Bewusstsein da ist, dass wir die Träume beim Aufwachen noch erinnern können. Über die Träume können wir aber im Kleinen erfahren, wie sich die Zeit bei Schlafenden verändert. Sie wird variabel und elastisch. Auch bei der Meditation wird solch ein Zustand erreicht, in dem man sich aus der oberflächlichen Zeit heraussetzt. Ich glaube, mit einer bewussten Befreiung von der Vorstellung, dass die Zeit nur eine Dimension hat, können wir den gleichen Effekt erreichen.

Quellenangaben:

Einstein, Albert: Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie

Kniebe, G. (Hrgg.): Was ist Zeit? Die Welt zwischen Wesen und Erscheinung. Stuttgart,1993

Brockhaus: Studienausgabe

Benz, Arnold u.Vollenweider, Samuel: Würfelt Gott?

Al-Khalili, Jim: Schwarze Löcher, Wurmlöcher und Zeitmaschinen. (Wie man eine Zeitmaschine baut) Heidelberg-Berlin, 2001

Moewes, Jan: Für 6 Euro 50 durch das Universum,über ZeitRaum und Liebe. Frankfurt, 2001

Davies, Paul: Die Urkraft, Auf der Suche nach einer einheitlichenTheorie der Natur

GEO: Die schlaflose Gesellschaft. Nr.4/April 1999

Høeg, Peter: Der Plan von der Abschaffung des Dunkels. Hamburg, 1998

Perfaul, Jost (Hrgg.): Zeit; Geheimnis des Daseins. München, 1993

Ecco, Carrière, Jay Gould, Delumeau: das Ende der Zeiten. Köln, 1999

Hawking, Stephen: Eine kurze Geschichte der Zeit. Wien, 1988

Hahn, Ulla: Süßapfel rot.Stuttgart, 2003

Gibran, Kahlil: Der Prophet.

Moers, Walter: Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär. Frankfurt/Main, 1999



[1] Jim All-Khalili
[2] Jim All-Khalili
[3] Würfelt Gott? (Siehe Quellenangaben)
[4] Jan Moewes
[5] Die Entropie ist eine Bezeichnung für die Ordnung (niedere Entropie) oder Unordnung (hohe Entropie), die in einem System

vorhanden ist, bzw. die Möglichkeit dem System nutzbare Energie zu entziehen.

[6] Jim All-Khalili
[7] Abbildung aus: Schwarze Löcher Wurmlöcher und Zeitmaschinen (siehe Quellenangabe)
[8] Jim Al-Khalili
[9] Peter Høeg
[10] Paul Davies
[11] Stephen Hawking: Eine kurze Geschichte der Zeit.
[12] Albert Einstein
[13] Peter Høeg: der Plan von der Abschaffung des Dunkels
[14] Jim Al-Khalili
[15] Peter Høeg
[16] ebda
[17] ebda
[18] Philosophische Fragmente
[19] Die Zitate stammen aus Brockhaus (siehe Literaturangabe)
[20] G. Kniebe
[21] GEO
[22] Adalbert Stifter - Der Silvesterabend