HipHop

Rap, DJ-ing, Graffiti & Breakdance
Jahresarbeit 2001/2002
von
Moritz Klein
Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist HipHop?

3. Die Mode

4. Wurzeln des Raps

5.1 Geschichte/ Entwicklung in den USA

5.2. Die ersten Vertreter des Raps

5.3 ...in Deutschland

6. Diskussionen um HipHop

7. Was verbindet mich mit HipHop

8. HipHop leben

9. Literaturverzeichnis
 


1. Einleitung

Als vor 30 Jahren sich die Kultur des HipHop in den Ghettos der USA entwickelte, dachte keiner der Jugendlichen daran, einen neuen Trend zu setzen. Erst viele Jahre später, 1979, durch den Erfolg einer Gruppe, die bei den Anfängen auf den Blockparties nicht mitgewirkt hatte, wurden die Plattenfirmen auf diese Szene aufmerksam und begannen sie zu vermarkten. So kam HipHop medienvermittelt auch nach Deutschland. Ganz nach dem Vorbild aus den USA, begannen die Jugendlichen sich ihre Szene im Untergrund aufzubauen und ebenfalls hatten auch hier andere die ersten Erfolge mit HipHop. Das mag daran liegen, dass die ursprünglichen Ansichten, den schlechten Situationen in den Ghettos entsprechend, sehr radikal und extrem waren. Die Plattenfirmen griffen die Themen der Szene auf und machten sie massentauglich. Dabei wurden viele Sachbestände falsch vermittelt, was zu widersprüchlichen Aussagen führte. Es geht so weit, dass man heute nicht mehr wirklich sagen kann, was noch HipHop ist, was dazu gehört und was nicht. Im Großen und Ganzen ist diese Kultur heute stark von Resignation unter den Jugendlichen geprägt und Menschen, die andere Akzente setzten, wie z.B. Africa Bambaataa (siehe Kapitel 5.2: Die ersten Vertreter des Rap) finden kaum noch Erwähnung. Auch hat sich die HipHop-Kultur in den letzten Jahren in immer mehr Teile gespalten. Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, habe ich mich besonders mit der Musik auseinandergesetzt und eigene Raptexte verfasst (siehe Kapitel 7: HipHop leben), habe aber auch Graffiti eingebracht, weil hierdurch HipHop nach außen sichtbar gemacht wird, und hier die Verbindung zum Rap noch besteht. Dagegen hat sich der Breakdance eher von diesen beiden anderen Elementen abgespalten und bildet mittlerweile eine eigene Szene, auf die ich nur am Rand eingehen kann.

Ich wählte dieses Thema, da mich diese Kultur die letzten Jahre begeistert hat und es hierzu noch kaum Bücher (besonders nicht aus objektiver Sicht) gibt. Das liegt unter Anderem daran, dass gerade der Rap auf einer anderen Sprachkultur, der afrikanischen oral culture, basiert und sich die Szene am Anfang nur über Mundpropaganda im Untergrund entwickelt hat. So ist es auch zu erklären, dass viele Rapper sich ihrer Verantwortung in der Öffentlichkeit noch nicht bewusst geworden sind, wo ein bestimmtes Hintergrundwissen, wie in der Szene selbst, meist nicht vorhanden ist (siehe: Wurzeln des Raps).

Erst seit wenigen Jahren wird diese Kultur literarisch festgehalten und öffentlich diskutiert (Anm.: In der Alten Feuerwache war am 26./27.4. 2002 eine öffentliche Veranstaltung mit Vorträgen und Diskussionen). Dieser Spagat zwischen Öffentlichkeit und Untergrund machte es schwer, an verlässliche Informationen zu kommen, was mir besonders am Anfang meiner Arbeit große Probleme bereitete. So hoffe ich trotz allem, die richtige Mischung aus meiner Szenenerfahrung und Objektivität gefunden zu haben...
 


2.Was ist eigentlich HipHop?

HipHop ist kein Musikstil, sondern eine ganze Jugendkultur, hauptsächlich bestehend aus den vier Grundelementen:

dem Rap und

dem DJ-ing, die den Musikzweig bilden;

dem Breakdance, dem dazugehörigen Tanzstil und

dem Graffiti, der Sprühdosen-Kunst.

In weiteren gehört die eigene Mode und Sportarten wie Skating und Biking dazu.

Die Grundregeln des HipHop heißen: Brotherhood, Respect, Fame und Having Fun.

Die Besonderheit der Rap-Musik liegt vor allem darin, dass sie nicht durch das Spielen von herkömmlichen Instrumenten entsteht, sondern fast ausschließlich durch das "Zusammenmixen" von verschiedenen Elementen bereits vorhandener Songs. Melodik und Harmonik spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle. Eine weitere Eigenart ist das "Scratchen", über diese kratzenden, wummernden oder scheuernden Geräusche wird der rhythmische Sprechgesang, mit vielfältiger Variation der Verslängen, der Reime und des Sprechens, gelegt.

Der Breakdance ist ein Tanz, der sich vor allem auf die Beine und Füße konzentriert und dessen Hauptinteresse weniger in der Nachzeichnung der Musik als vielmehr in der Vorführung möglichst origineller und akrobatischer Bewegungen liegt. Im Laufe der Zeit entstanden diverse Varianten, die sich über das Darstellen von schwerelosem Gleiten, imaginären Elektroschocks, die durch den Körper des Tänzers fahren, Roboterimitationen, verschiedene Formen der Gruppenakrobatik und pantomimenartiger Tanzfiguren erstrecken.

Besonders das Graffiti hat aufgrund der Tatsache, dass zwar seine Szene, wegen der Illegalität "underground" ist, nicht aber deren Produkte, in der Öffentlichkeit zu vielen Missverständnissen geführt hat, die unter anderem durch Lexikoneinträge wie dem folgenden unterstützt wurden: "...auf Wände, Mauern, Fassaden usw. meist mit Spray gesprühte, gespritzte oder gemalte Parole, Spruch oder Figur mit kämpferischem Charakter, wie z.B.: ‚Wer ARD sagt, muss auch BRD sagen’" (Müller, Wolfgang, Duden. Das Fremdwörterbuch, 4.Aufl., Mannheim, 1982, S.285). Der Inhalt von Graffiti ist jedoch ein völlig anderer. Den Jugendlichen geht es weniger um eine konkrete politische Botschaft als vielmehr darum, anhand von kunstvollen und sorgsam entworfenen Schriftzügen, den sog. Tags, die den Namen des Künstlers darstellen, auf sich aufmerksam zu machen, sich aus der Masse hervorzuheben und von anderen Sprayern Anerkennung für ihr Werk zu erhalten. "Ich wollte den Leuten zeigen, wer ich bin und was ich fühle, wozu mich diese Welt gemacht hat" (Akademie der Künste, Spray City. Graffiti in Berlin, 2. Aufl., 1994, S.48). Die Tags und ihre Hintergründe (zusammen als Pieces bezeichnet) entstehen nach genau festgelegten Regeln der Buchstabengestaltung, deren Erlernen einige Kunstfertigkeit und Ausdauer verlangt. Wenn man die Pieces als "Geschmiere" oder "Vandalismus" abwertet, wird man dem, was die Jugendlichen mit ihren Bildern ausdrücken wollen, nicht gerecht.


5.1. Die Entstehung, die Geschichte und Entwicklung der HipHop-Kultur in den USA

Als in den 1960ern die geplante Autobahn mitten durch die Bronx verwirklicht wurde, zogen die Menschen, die es sich leisten konnten, aus dem Viertel. Zurück blieb die ärmste Schicht, zum größten Teil Menschen ethnischer Minderheiten (Zu dieser Zeit waren es zum größten Teil Afroamerikaner). Das Viertel verkam immer mehr und die Kriminalitätsrate wuchs beträchtlich. Die Jugendlichen, die dort leben mussten, bildeten Gangs, um ihre Häuserblocks vor Eindringlingen (Polizei, anderen Gangs und den Weißen) zu verteidigen. Sie entwickelten einen Stolz auf ihr Viertel und beschützten es. Es brachen Bandenkriege aus, bald traute sich niemand mehr aus anderen Stadtteilen in dieses Viertel. Die eroberten Häuserblocks wurden mit Sprühdosen oder Filzstiften gekennzeichnet. So entstanden die ersten Tags, noch einfache Schriftzüge. Sie gewannen immer mehr an Bedeutung, da sie die Macht der einzelnen Gangs widerspiegelten.

Die im Mai 1968 gegründete Musikgruppe The Last Poets gilt als Vorläufer, der späteren Rapmusik. Sie gelten als die letzten Vertreter der traditionellen Literatur. Die aus einem universitären, intellektuellen Umfeld stammenden Mitglieder fragten sich damals, wozu noch überhaupt Bücher geschrieben wurden, da in der Bronx oder in Harlem die meisten Kinder schon nicht mehr lesen konnten. Sie wollten aber mit ihren Texten genau diese Kinder und Jugendlichen in den Ghettos erreichen. Also verzichteten sie auf Bücherveröffentlichungen und stellten sich auf die Strassen, um ihre Texte von einfachen Percussion-Rhythmen begleitet vorzutragen. Ihre erste Schallplatte "The Last Poets" verkaufte sich ohne Werbung fast 800.000 mal, wurde aber nur einmal im Radio gespielt. Ihr Ziel war es, mit ihrem Publikum zu kommunizieren und es zum Nachdenken über ihre gemeinsame Lebenssituation anzuregen.

Bis zu dieser Zeit blieben die Jugendlichen in ihrem Viertel und verließen das Ghetto nicht. Dies änderte sich aber, als ein ausführliches Interview in der New York Times über Dimitrios, einen Botenjungen, der seinen Straßennamen, TAKI 183, mit Filzstiften überall in New York hinmalte, 1970 erschien. Hierdurch hob er sich von den übrigen Gangs, die nur in ihren Bezirken verbreitet waren, ab. Von nun an drangen immer mehr farbige Jugendliche in die Weißenviertel vor. Sie versuchten ihre Tags so oft sie konnten an die unmöglichsten Stellen zu sprühen. Die Sprayer "Supercool", "Stay High" und Phase 2" entdeckten bald darauf 1972 die U-Bahn-Züge, die sich zum Bemalen gut eignen, da diese durch die ganze Stadt fahren und die Namen der "Writer-Crew" somit überall bekannt machen. Es entstand die neue Subway Art, die immer mehr Jugendliche begeisterte und inspirierte. Es wurden eigene Styles entwickelt, und so fanden die Jugendlichen eine Möglichkeit, kreativ zu werden und sich gegenseitig zu messen. Die angesehensten Writer, die sich durch ihre Graffitis Respekt in der Szene verschafft haben, nennt man Kings, während die Anfänger als Toys bezeichnet werden. Es entwickelten sich die Pieces (sog. "Masterpieces"), aufwendige Bilder mit Hintergrund, meist bestehend aus einfachen Schriften, denn wichtiger waren vor allem Größe und Ausschmückung der Zeichnung. Oft wurden neben den Pieces noch kleine Botschaften hinterlassen, die beschrieben, mit welchen Situationen die Writer konfrontiert wurden, wie z.B. eine Störung durch die Polizei oder schlechte Wetterbedingungen.

Die Polizei war machtlos und konnte nichts gegen die Übergriffe machen. So schafften es die Jugendlichen, auf ihre schlechte Situation und die verfehlte Stadtpolitik aufmerksam zu machen.

Als das Disco-Fieber, ein Rausch aus Glanz und Glimmer, mitreißender Tanzmusik und unbekümmerter Fröhlichkeit, mitte der 70er Jahre ausbrach, konnten sich die Jugendlichen aus den Ghettos die hohen Eintrittspreise der Clubs nicht leisten. In den Sommermonaten war die Luft in den überfüllten Clubs oft unerträglich heiß. Die Klimaanlagen kamen gegen die Hitze nicht an, oder sie fehlten gleich ganz in den Ghetto-Gegenden. So nahmen die Jugendlichen ihre eigenen Sound Systems auf die Straßen, in die Parks und in alte Fabrikgelände mit. Den Strom nahmen sie sich von Straßenlaternen. So entstanden die ersten Blockparties. Während am Anfang meist die selbe Musik, wie in den Clubs gespielt wurde, entwickelte Kool DJ Herc eine neue Auflegtechnik.

Er hatte zwei Plattenspieler mit einem Mischpult verbunden und isolierte einzelne Rhythmusstellen (Breaks), indem er zwei gleiche Schallplatten versetzt abspielen ließ und gleiche, kurze Liedpassagen immer wieder an einander reihte. Um beim Mixen die jeweilige Schallplatte in die richtige Ausgangsposition zu bringen, wird sie unter dem Tonarm zur richtigen Stelle hinbewegt. Bei diesen Hin- und Herbewegen der Schallplatten entstanden neuartige kratzende Töne, aus denen er mit der Zeit das Scratching entwickelte. Zusätzlich mischte er noch kurze Gesangs-, Bläser- oder Schlagzeugstellen mit in den Song ("punch phrasing"), um die Stimmung zu steigern. Die Breaks wurden vorzugsweise von Platten der damaligen R&B-Musiker, wie James Brown, Jimmy Castor, The Last Poets, The Meters, The Blackbirds, Chic, usw. genommen.

Er machte so aus alten bekannten Liedern, neue Lieder mit verlängerten Rhythmuspassagen und begeisterte das Publikum. Grandmaster Flash begann die Mix-Techniken jetzt weiter zu entwickeln. Er führte das weiter, was Kool DJ Herc angefangen hatte, und perfektionierte es.

Das rhythmische Fundament des HipHop nennt man Breakbeat, zu diesen Rhythmen begann ein großer Teil der Jugendlichen zu tanzen. Sie entwickelten somit einen neuen Tanzstil, den Breakdance, bestehend aus gummiartigen Verrenkungen, eckig-rhythmischen Bewegungen z.B. der Imitation von Robotern, und akrobatischen Einlagen, wie z.B. dem Headspin, mehrere Drehungen auf dem Kopf. Die Tänzer nannten sich B-Boys. Sie tanzten gegeneinander in sog. Battles (gewaltloser Wettbewerb) und stritten darum, wer der beste sei. Viele DJs waren inspiriert von den neuen Auflegtechniken und fingen an, diese nachzuahmen und ebenfalls weiter zu entwickeln. Auch diese DJs vollführten bald darauf Kunststückchen mit den Plattentellern, und schließlich wurde mit Händen und Füßen gescratcht. Das Publikum hörte auf zu tanzen und schaute den DJs bei ihren akrobatischen Kunststücken und immer komplexer werdenden Mixtechniken zu. Das hatten die DJs nicht beabsichtigt. Sie wollten, dass die Menschenmenge tanzte. Grandmaster Flash, der damals beste DJ, löste dieses Problem, in dem er redewendige Freunde (Anm.: Rapper = "Sprücheklopfer") zu sich holte und ihnen Mikrofone gab. Sie sollten durch Sprecheinlagen das Publikum zum Tanzen auffordern und so das Interesse auf sich lenken. Die DJs rückten wieder mehr in den Hintergrund. Die sog. MCs (Master of Ceremony) waren nun geboren und entwickelten ihre Kunst weiter, bis aus den unzusammenhängenden Phrasen ein durchgehender Sprechgesang, der sog. Rap, entstand. Sie stritten um die bessere Wortgewandtheit. Meist wurden Freestyle-Raps, Party Raps oder Battle-Texte aufgenommen. Sie improvisierten Reime aus kleinen Alltagsgeschichten des schwarzen Ghettolebens, aus Angeber-Stories, dem neusten Klatsch und Spott aus der Nachbarschaft. Aber schon bald merkten die Rapper, dass man auch ernste Themen in den Texten aufnehmen und sich gegenseitig informieren konnte.

Nach dem Tod eines sehr guten Freundes gründet Africa Bambaataa die Zulu-Nation. Die Zulu-Mitglieder hatten sich 20 Regeln zu unterwerfen, die ein friedliches Leben miteinander ermöglichten. Dazu gehörten Gewaltfreiheit und das Verbot von Drogen (an diese kam man leicht in den Ghettos), sowie die gegenseitige Akzeptanz, Schutz und die Suche nach Erkenntnis. Viele Jugendliche verließen ihre meist kriminellen Gangs und schlossen sich der Zulu-Nation an. Hier fanden sie Zusammenhalt und Anerkennung. Man bestritt Wettkämpfe, in denen man sich gegenseitig in allen vier Elementen - Rap, Breakdance, DJ-ing und Graffiti - messen konnte.

Als 1979 die erste Rap-Schallplatte von der Sugar Hill Gang veröffentlicht wurde, waren die meisten Jugendlichen sauer. Der Text des Liedes handelte von Frauen, schnellen Autos und Parties. Das Instrumental wurde aus dem damaligen Disco-Hit "Good Times" der Gruppe Chic zusammengemixt und bestand aus Basslinie, Schlagzeug-Groove und einem Riff aus Gitarre und Keyboard, die zusammengesetzt den neuen Hintergrund bildeten. Die Jugendlichen hatten diese Crew nie zuvor auf ihren Blockparties gesehen, und jetzt präsentierte sie ihre Kultur in der Öffentlichkeit. Auch erkannten sie viele ihrer eigenen Elemente und Styles wieder. Diese Platte "Rappers Delight" verkaufte sich über 2 Mio. mal, und die Plattenfirmen wurden langsam auf diese neue Musikrichtung aufmerksam. Immer mehr Rapper wurden unter Vertrag genommen. Dabei wurde nicht immer auf die Qualität und das Können geachtet, was andere, die von Anfang an auf den Blockparties waren und sich ihr Können hart antrainiert hatten, verärgerte. Aus Trotz schlossen sie jetzt auch Plattenverträge, und als 1982 Melle Mel von Grandmaster Flash´s The Furious Five sein Lied The Massage heraus brachte, verkaufte es sich ebenfalls sehr gut. Dieses Lied legte einen neuen Grundstein, denn es regte die Menschen durch seinen Inhalt zum Nachdenken an und informierte Außenstehende über die schlechten Bedingungen in den Ghettos. Rap wurde zum Sprachrohr einer benachteiligten und diskriminierten Ghetto-Jugend. Es ist ein Verdienst des HipHop, dass sich die heftigen Bandenrivalitäten unter den Jugendlichen aus den Ghettos in solch positive Formen des gewaltlosen Wettbewerbs umwandelten. All das geschah in dem Zeitabschnitt bis 1983, den man heute Old School nennt.

Die Schriften der Sprayer wurden teilweise so komplex, dass es notwendig war, vorher Skizzen (Sketches) an zu fertigen. Daraus bildete sich der sog. Wild Style, die erste ganz eigenständig entwickelte Schriftart der writer, die von ungeübten Lesern gar nicht oder nur schwer zu entziffern ist, da die Buchstaben extrem verschlungen sind. Auch wurden diese Bilder mit Pfeilen, Schatten (dadurch wirken die Pieces 3-Dimensional) etc. verziert. 1980 entstand in New York die erste Hall of Fame. Hier konnten die Sprayer nun legal ihre Künste präsentieren und viele von ihnen begannen, ihre Bilder nur noch auf Leinwände zu sprühen und so für Galerien zu arbeiten. Es entstanden die ersten Bücher über Graffiti wie z.B. "Subway Art" von Hanry Chalfant, wodurch die Bilder auf der ganzen Welt bewundert werden konnten. Bald darauf folgten die ersten Filme, die weltweit Jugendliche begeisterten.

Da es bis zu diesem Zeitpunkt nur sehr primitive "Drum Computer" (Beatbox) gab, hatte man nicht viele Variationsmöglichkeiten, und viele Beats der Raplieder hörten sich ähnlich oder gleich an. So ging mehr und mehr das Interesse der Öffentlichkeit wieder verloren.

Als nun die ersten bezahlbaren Sampler, (digitale Aufnahmegeräte mit verschiedenen Speichereinheiten, die einzeln per Tastendruck aufgerufen werden konnten,) auf den Markt kamen, konnten die DJs endlich die Visionen ihrer Vorgänger realisieren und perfektionieren. Jetzt konnten sie auch sehr kurze Sequenzen aneinander reihen und mehrere Samples übereinander schichten, was vorher nur möglich war, wenn mehrere DJs gemeinsam gemischt hatten. Durch die neuen digitalen Sampler wurde eine neue Zeitepoche eingeleitet, die sog. New School, in der immer mehr Styles, Themen und neue Ideen entstanden; es wurde um Technik und Kreativität "gekämpft". Vor allem das alternative Plattenlabel Def Jam schrieb nun, mit wichtigen Impulsen, seine Erfolgsgeschichte. So rappten Pulic Enemy fast ausschließlich Texte mit politischen Inhalten und Run DMC entwickelten einen neuen Crossover Style, einen Mix aus HipHop und Heavy Metal, der jetzt auch weiße Rockmusik-Fans begeisterte. Ihnen gelang als ersten Rappern der internationale Durchbruch, was sie zu den ersten Rap-Stars machte. Nun begannen auch die ersten Weißen zu rappen, wie z.B. die Beastie Boys und Vanilla Ice. Gegen Ende der 80er-Jahre hatte sich Rap nun auf der ganzen Welt verbreitet und New York war nicht mehr die allein bestimmende HipHop-Metropole. Anfang der 90er Jahre wurde auf die alten Jazzlieder zurück gegriffen. So brachte 1992 die Gruppe US 3 das Lied Cantaloop im Jazzstyle heraus. Nun gewann besonders die West Coast durch ihren Gangstar Rap immer mehr Einfluss.

Die überhöhte Konkurrenz wurde von den Medien dankbar aufgegriffen und so entstand zeitweise ein "Krieg" zwischen East und West Coast. Als 2 Pac Shakur (West Coast) und nur kurz darauf Notorious B.I.G. (East Coast) ermordet wurden, der Polizei es aber nicht gelang, die Fälle aufzuklären, spitzte sich die Lage dramatisch zu. Lautstark und aggressiv wurde sich über die Gegner geäußert und viele Wortgefechte wurden in Battles ausgetragen. Erst mit den Native Tongues kommt die friedfertige, religiöse Antwort der East Coast auf den Gangstar Rap. Es folgt der G-Funk; nun wird es immer schwieriger zu bestimmen, was noch HipHop ist und was nicht mehr. Ab jetzt wird in der Szene auf das Heftigste um die Frage gestritten, was noch real (ehrlich) und was Anbiederung an die Massen und damit sellout (Ausverkauf) ist. Aber auch die ersten Vertreter aus anderen Sprachen und Kulturen beeinflussen jetzt die amerikanische HipHop-Szene.


5.2. Die ersten Vertreter der Rap-Kultur

Bis auf Grandmaster Flash und Africa Bambaataa sind die meisten Pioniere der Rap-Musik heute in Vergessenheit geraten. Die ersten DJs und MCs bleiben für die Geschichte namenlose Helden. Sie hatten damals allerdings einen hohen Bekanntheitsgrad und Ruhm in ihren eigenen Stadtvierteln. Sie lieferten die Ideen eines neuen Musikstils, die Platten aber nahmen später andere auf. Clive Campbell alias Kool DJ Herc, der mit zwölf Jahren als jamaikanisches Einwandererkind 1967 mit seinen Eltern nach New York kam, gilt als der erste DJ der Blockparties. Seine Musik war noch sehr geprägt von der Reggae-Szene seines Heimatlandes. Durch seine, in der Reggae-Szene üblichen, riesigen Lautsprecher, konnte er seine Rivalen aus der Bronx übertönen. Als er merkte, dass sich die Begeisterung der Afroamerikaner für Reggae in Grenzen hielt, verband er populäre Bruchstücke aus Latin und Funk, die einen harten Beat hatten, mit den Toasts seines Heimatlandes und begründete somit den Rap im charakteristischen Bronx-Stil. Leider wurde er 1978, noch bevor er die Musikindustrie HipHop als Trend aufgriff, bei einer Party mit einem Messer so schwer an der Hand verletzt, dass er daraufhin das Mixen ganz aufgeben musste. Er verschwand wieder in der Anonymität, während andere mit ihren später veröffentlichten Rap-Singles zu kommerziellen Erfolgen kamen und diesen Musikstil auch außerhalb der Ghettos bekannt machten. Kool DJ Herc schlug sich nun mit Gelegenheitsjobs als Hafenarbeiter und Lastwagenfahrer durch, war aber mit diesem Leben unzufrieden und so begann er Drogen zu nehmen. Erst viele Jahre später erinnerte man sich an ihn und er erschien zum ersten Mal auf den Titelseiten einiger HipHop-Magazine. Grandmaster Flash war es, der die Technik des DJs perfektionierte. Als erster benutzte er den Plattenspieler selbst wie ein Musikinstrument. Bei seiner Arbeit entdeckte er, dass sich das Geräusch, welches beim Zurückziehen der Schallplatte mit der Hand an der Plattennadel entsteht, als ein charakteristischer perkussiver Soundeffekt benutzen ließ. Durch rhythmisches Hin- und Herdrehen der Platte erzeugte Grandmaster Flash auf einem Plattenteller eigene Rhythmen und konnte sie mit Hilfe des Mischpults zu einem laufenden Song vom anderen Plattenteller hinzumixen. Auch setzte er zum ersten Mal mehrere MCs gleichzeitig ein.

Africa Bambaataa, der dritte wichtige Pionier, war als DJ und B-Boy aktiv. Als Kind von 10 Jahren wurde er Mitglied der New Yorker Straßengang Black Spades. Als sein bester Freund bei einem Straßenkampf ums Leben kommt, wendet er sich vom Gangleben ab und gründet zusammen mit DJ Africa Islam 1976 die Zulu-Nation. Er wollte die negative Energie der Straßenkämpfe in positive und konstruktive Energie, durch HipHop, umwandeln. Er wurde Mitglied der Nation of Islam, da ihm das sozial-politische Engagement sehr wichtig war. Er konnte aber viele der zum Teil rassistischen Ansichten der NOI nicht teilen und provozierte die Anhänger durch seine Zusammenarbeit mit Menschen verschiedener Hautfarben. Er wollte vor allem Leute von der Straße holen, Junkies und Prostituierten helfen wieder clean zu werden und sie rehabilitieren, also genau das, wozu das amerikanische Gefängnissystem nicht im Stande war.

Diese drei gelten als die Urväter der Old School.

In der New School wurden Run DMC zu den ersten Superstars der neuen Musikrichtung. Bereits mit der ersten Single "It´s Like That" begann der Erfolg, der fortan nicht mehr aufhören sollte. Die Alben der Gruppe fanden Mitte der 80er Jahre reißenden Absatz. Run DMC war die erste Rap-Gruppe, von der es ein Video auf dem Musiksender MTV gesendet wurde. Sie waren außerdem die ersten Rap-Stars, die auf den Titelseiten amerikanischer Musikmagazine erschienen. Ihr Song "Sucker MCs" war der erste Rap-Hit des Jahres 1983. Es handelte sich hierbei um elementare Musik, die alles überflüssige abgeschüttelt hatte. Von Melodik und Harmonik befreit, blieb lediglich das musikalische Skelett des Rap aus Drumcomputerbeat und rhythmisierter Sprache übrig. Mit ihrem Album "Raising Hell" gelang Run DMC im Jahre 1986 endgültig der internationale Durchbruch. Insbesondere durch den Song "Walk this Way", eine Cover-Version eines Titels der Heavy-Metal-Band Aerosmith, wurde Rap nun auch für viele weiße Rockmusik-Fans interessant. Spätestens zu dieser Zeit hat sich Rap endgültig von der Partystimmung einer inhaltsleer gewordenen Disco-Kultur emanzipiert und mit der Übernahme von Idiomen der Rockmusik auch die wütende Geste der Rebellion in sich aufgenommen.


5.3 Die Entwicklung in Deutschland

1983 brach in vielen europäischen Ländern eine Breakdance-Welle aus, als die Bronxer Breakdance-Gruppe The Rock Steady Crew mit einem kleinen Auftritt im Erfolgsfilm Flashdance, aus Hollywood, der Durchbruch gelang. Dadurch hatten sie 1984 auch einen Auftritt im Deutschen Fernsehen bei "Wetten dass". Viele Jugendliche waren von diesem akrobatischen Tanzstil so fasziniert, dass sie in kleinen Gruppen sich die Schritte und Techniken selbst beibrachten.

Mit Falco und Frank Zander gab es zwar schon eine Art deutschen Sprechgesang, doch die echten HipHops, die die neue Jugendkultur hier in Deutschland etablieren sollten, begannen mit "Breakdance in der Fußgängerszone" (Zitat von Linguist: Alte Schule. 360° 1995.) Als kurz darauf die ersten Hip-Hop-Filme wie "Wild Style", "Style Warz" oder "Beat Street" in den Kinos liefen, gelang der weltweite Durchbruch, und auch in Deutschland lernten die Jugendlichen nun das Zusammenspiel der kulturellen Ausdrucksformen kennen. Einige blieben Tänzer, andere begannen zu sprühen, zu rappen oder übten sich an den Plattentellern. Es begann die große Zeit der Jams. Die wenigen HipHops (vorwiegend Emigrantenjugendliche) aus ganz Deutschland trafen sich an den Wochenenden in Jugendhäusern oder Partykellern. Sie tauschten Adressen, Erfahrungen, Tipps aus und feierten zusammen. Man kannte sich untereinander und verabredete sich danach für die nächste Jam.

Bis dahin wurde ausschließlich auf Englisch gerappt. Ende der 80er-Jahre begann Torch von Advanced Chemistry als erster seine Freestyles (freie Improvisation von Rap-Texten) auf Deutsch zu rappen. HipHop entwickelte sich in Deutschland sehr eigenwillig, da es nur medienvermittelt war und es bis dorthin noch keine Kontakte zu HipHoppern aus anderen Ländern gab. Den deutschen HipHoppern war die "Keepin-it-real-Haltung" sehr wichtig und sie präsentierten sie ernst, fast dogmatisch. Als 1991 die Fantastischen Vier ihre ersten Erfolge feierten, schien sich für viele die Geschichte aus Amerika zu wiederholen, da wieder eine Gruppe, die nicht bekannt war und auch keinen Kontakt zur Szene hatte, mit HipHop erfolgreich war. Viele waren der Ansicht, dass der wahre und echte HipHop nicht massenkompatibel sein kann und daher erfolglos bleiben müsste. Dies änderte sich durch den erstaunlichen Erfolg von Advanced Chemistry, die als Vertreter der Untergrundszene galten, mit "Fremd im eigenen Land" 1992. Seitdem gelang es immer wieder Gruppen aus der Szene, wie z.B. Fettes Brot, Freundeskreis, 5 Sterne Deluxe oder Massive Töne, in die Charts vorzustoßen und das Verhältnis zu den Fantastischen Vier entspannte sich langsam, als sie ebenfalls begannen, den Nachwuchs zu fördern. 1998 verließ die Gruppe Absolute Beginner mit ihrem Lied "Rock on" ihren Underground- und Kultstatus und stürmte die deutschen Charts. Vor allem der Song "Liebes Lied", ein Lied aus dem Album Bambule, wurde zum Hit und lief als Videoclip viele Male auf dem deutschen Musiksender VIVA. Seit dem wurden immer mehr Crews und Rapper bekannt, die sich gegenseitig in Gemeinschaftsproduktionen unterstützten und dadurch erfolgreich wurden. Auch in Deutschland wurden jetzt viele verschiedene Charaktere bekannt. So machte sich vor allem Sammy Deluxe durch seine Freestyle-Tapes ein Namen als Battle-MC.

In jeder größeren Stadt gab es lokal bekannte Rapper, die die Lebensumstände der Jugendlichen in ihren Texten verarbeiteten.

Erst Ende 2001 wurde das Projekt Brothers Keepers ins Leben gerufen, bei dem zum ersten Mal Rapper sich öffentlich gemeinsam gegen Rechtsextremismus äußern. Dadurch bekam Rap nun auch in Deutschland die Funktion eines politischen Sprachrohres.
 


6. Diskussionen um HipHop

Obwohl der Rap seinen ursprünglichen Erfolg zum Teil drastischen Texten über Jugendbanden, Drogen und Kriminalität zu verdanken hatte, verzeichneten eher unkritische Künstler und Gruppen, wie MC Hammer, Vanilla Ice und Jazzy Jeff and the Fresh Prince letztendlich die größten Erfolge. Dies führte zu heftigen Diskussionen innerhalb der Szene, was noch real und was sellout ist.

Folgen der Kommerzialisierung:

Spricht dafür:

 
Spricht dagegen:
Rapmusik stand häufig in der Kritik. Wegen ihrer sehr direkten sexuellen Anspielungen wurde z.B. die Gruppe 2 Live Crew wegen Obszönität angeklagt, aber doch wieder freigesprochen.

Andere Rapgruppen und Künstler, wie NWA (Niggers With Attitude), Ice-T und Ice Cube wurden wegen Gewaltverherrlichung sowie Frauenfeindlichkeit und der detaillierten Beschreibung sexueller Handlungen kritisiert. Auch Public Enemy wurden wegen ihrer extremen politischen Anschauung verklagt.

Dabei wurde immer vergessen unter welchen schlechten Bedingungen die Menschen, darunter auch die Mitglieder der Gruppe, in den Ghettos leben mussten, was letztendlich auf die verfehlte amerikanische Politik zurück zu führen ist. Sie mussten ihre Ansichten so extrem formulieren, um aufzufallen und gehört zu werden.
 


7. Was mich mit HipHop verbindet

Meine erste CD, die ich gekauft habe, war 1996 von DJ Bobo, da mir seine Tanztechniken in den Videos gefielen. 1997 kam ich über meinen Freundeskreis dann so langsam zu HipHop. Anfangs hörte ich aber eher die Lieder, die in den Charts waren wie Nana und Down Low. Bald merkte ich, dass diese Art von "Künstlern" so bekannt wurde, da sie sich bei einer Kultur, die mir damals noch unbekannt war, bedienten, und genau diese Elemente waren es, die mich zu faszinieren begannen. Ich hörte nun zum ersten Mal "richtigen" amerikanischen Rap und konnte die dazu gehörigen Musikvideos sehen. All das war eine ganz neue Welt für mich, da ich in einer behüteten Kindheit aufgewachsen bin. Um so mehr zog mich diese Szene nun an.

Den neu gesehenen Tanzstil wollte ich nun selbst ausprobieren. Zu dieser Zeit wurden im Lamadé Workshops angeboten, die ich etwa 3-4 mal besuchte, die mich aber nicht wirklich mich begeisterten.

Das Interesse für HipHop aber blieb trotzdem bestanden. Ich wollte mehr über die ganze Szene erfahren, durfte aber ja nicht viel TV schauen und englisch verstand ich nicht besonders gut. Fast alles erfuhr ich somit über Freunde und den mündlichen Austausch. Der deutsche Rap war jetzt auch so weit, dass er sich in den Hitparaden etabliert hatte. So wurde man monatlich mit Liedern von neuen Gruppen und Rappern überhäuft. Ich beschränkte mich auf die Lieder der deutschen Szene, da ich hier die Texte und Wortspiele verstand. Die Lieder, die mir gefielen, konnte ich bald auswendig, und so machte ich meine ersten Erfahrungen mit dem Flow.

Als im Oktober 1999 in der Erlanger Waldorfschule eine Schülertagung stattfand, die einen Breakdance-Kurs anbot, beschloss ich mit Freunden hinzufahren und daran teil zu nehmen. Dort lernten wir zunächst einige Grundschritte kennen und versuchten die Windmühle, ein anspruchsvolleren Move. Nach der Schülertagung übte ich noch ein bisschen für mich, gab es aber wieder auf, da es mir alleine keinen Spaß machte und die anderen keine Lust mehr hatten.

Ich fing mit kleinen "Schmierereien" an, die Gesetzmäßigkeiten des Graffiti zu erkunden und tauschte mich mit Freunden aus, die schon mehr Erfahrungen gesammelt hatten.

Ich traf mich nun (fast) täglich mit Freunden, um unsere eigenen Graffiti-Styles weiter zu entwickeln. Wir begannen unsere eigenen Raptexte zu schreiben. Der erste Plattenspieler wurde angeschafft und so konnten wir erste Erfahrungen mit DJ-ing machen (scratchen und mixen). Altersbedingt konnten wir nun auch die ersten Konzerte und Jams besuchen. Wir waren viel unterwegs. In diesen Wochen blieb keine Zeit mehr für die Hausaufgaben, daher wurden meine Leistungen in der Schule immer schlechter...

Wegen verschiedener Meinungen und mehrerer Komplikationen löste sich unsere Gruppe nach und nach auf. Selbst nach mehreren erneuten Startversuchen kam nichts Produktives mehr zustande.

Mit anderen Freunden nahm ich meine ersten Lieder auf, die mir jetzt aber nicht mehr gefallen. Deshalb habe ich sie nicht in diese Jahresarbeit eingebracht.

Unbewusst nahm ich die momentan in der Szene verbreitete Resignation in mir auf. Durch die Beschäftigung mit meiner Jahresarbeit bekam ich Zweifel, ob ich mit HipHop wirklich das Richtige mache, doch die Diskussionen in der Alten Feuerwache am Fr. 26.4 / Sa. 27.4.2002, bestätigten mir, dass es doch das richtige Ausdrucksmittel für mich ist. Als Mittelstandskind fehlen mir selbstverständlich die Wurzeln in einem Ghetto. Aber der rhythmische Sprechgesang des Raps bietet mir die Möglichkeit selbstverfasste Texte vorzutragen. So hatte ich freitags abends bei einer Freestyle-Session meinen ersten Bühnenauftritt. Die anderen MCs waren in ihren Skillz zwar schon weiter fortgeschritten als ich, da sie älter sind und mehr Erfahrungen haben. Trotzdem zollten sie mir Respekt, gaben mir Tipps und ermutigten mich weiter zu arbeiten.

Es war ein super Erlebnis, das mir viele Erfahrungen und Kontakte von Heidelberg bis Stuttgart gebracht hat.
 


8. HipHop leben (eigener Text)

Ich hab schon viel über HipHop in Deutschland nachgedacht,

aber Spaß hat mir ne Jam schon länger nicht mehr gemacht,

denn HipHop hat doch nicht nur was mit der Kleidung zu tun,

da stehn die letzten Pisser in ihren dicken Skaterschuhn.

Auch wenn du kiffst hast du nicht gleich HipHop verstanden

Es gibt auch hier immer mehr elf jähriger in Kinderbanden,

die meinen es wär cool zu dealen und sich zu verschlagen

denen will ich hiermit jetzt das Gegenteil beweisen und sagen

Aber Sammy verführt mit seinen Texten zum kiffen

denn die checken´s nicht ab und hams einfach nicht begriffen.

früher hieß es, dass bei 80° die Nacht zum Tag wird

Auf der letzten Jam war ich aber schon so verwirrt

Da machten die schon vor Mitternacht schluss

Da die Hälfte des Publikums von ihren Eltern abgeholt werden muss

Ich hab mich mit der Entstehung dieser Kultur beschäftigt

Auch wenn ich nicht auf der Straße leb, hat mich das bekräftigt

Denn Toleranz und Anti-Rassismus waren damals großgeschrieben

Und mit Kohle für Klamotten hat dort bestimmt niemand übertrieben

Früher ging es darum die Leute von der Strasse zu holen

Heute landen sie alle da und wollen damit noch prolen

Ich habe nichts gegen Kinder, die sich für HipHop interessieren

Aber was gegen die, die wirklich nicht kapieren

Es geht um die Einstellung und nicht um die Mode

Und genauso wenig um das Brechen irgendwelcher Verbote

Denn da muss man genau überlegen und hinschaun

Und sich nicht einfach vor ne Bullenwache stelln und einen baun

Es gibt genügend Gesetze, die sind wirklich das letzte

aber statt alle zu brechen, schreib ich lieber meine Texte

die ham auch alle, wenn man sie versteht, Sinn

und statt irgendwo rumzugammeln, setz ich mich hin und spinn mein Ding.

Das is mir ehrlich gesagt auch so viel lieber

Statt mich strafbar zu machen schreib ich eben alles nieder

Refrain:

Ich will nicht in meinen Texten resignieren

Denn ich find um was zu ändern, muss auch was passieren

Also werd ich meine Meinung vorerst in Reimen formulieren
 


9. Quellen und Literaturverzeichnis

Akademie der Künste, Spray City. Graffiti in Berlin, 2.Auflage, 1994

Dufresne, David, Rap Revolution, Buchverlag Michael Schwinn, Neustadt, 1992

Gates, Henry Louis, Jr. (Hrsg.),Black Literary Theory. London/ New York, 1984

RAAbits Musik Januar 1999

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